Archiv der Kategorie: Spirituelles

“Das Universum fährt Rad…”

…oder: das Universum geht zu Fuß.
Oder: Das Universum wischt den Boden.
Oder: Das Universum atmet.

Es gäbe endlos viele, ähnliche Beispiele.

Zen-Meister haben solche Beispiele angeführt, aber ich hatte sie nie “verstanden”. Sie waren zu lapidar, zu wenig kompliziert, um eine verborgene Weisheit zu beinhalten.

Wenn sich im Alltag Gelegenheiten bieten, mit einem alltäglichen, vertrauten Tun Meditation einzuladen, kann es immer öfter passieren, dass der Körper mit all seinen Funktionen und Helfern die ganze Arbeit für mich übernimmt und ein unbeteiligter Beobachter zurückbleibt, der über die Leichtigkeit der Arbeit aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Wer “fährt da Rad”, wer “atmet”? Wer lässt die Blüten der Blumen sprießen, wer lässt das Herz schlagen, wer hält die Planeten auf seinen Bahnen?

Diese Instanz, nach der ich hier mit einem “wer” frage, ist überall vorhanden – vom Molekül, über Galaxien, bis hin zu komplexen biologischen Systemen.

Nein, “ich” bin es nicht, der “Rad fährt”. Auch bin “ich” nicht der, der das Herz schlagen lässt und “ich” bin nicht der, der atmet.

“ES” tut alles das und der unbeteiligte Beobachter ist “ES”, das sich bei seinem Tun selbst erfährt.

Eine meditative Erfahrung ist die Erfahrung von Göttlichkeit und sie ist das Gewöhnlichste und zugleich Machtvollste, was erfahren werden kann.

Liebe und Angst

Als körperliches Wesen bin ich an die Dualität gebunden: an das Für und Wider, an das Gut und Böse, an Tod und Geburt, Liebe und Angst….
Zwar kann ich der Gegensätzlichkeit der Dualität nicht entfliehen, aber ich kann mich entscheiden, in welche Richtung ich gehen will. Das ist meine Freiheit.  Ich habe die Freiheit der Wahl.

Vor vielen Jahren hatte ich mich der Herausforderung der Gegensätze gestellt, indem ich meine Geburt gewählt hatte.

Mit meiner Geburt in die Körperlichkeit brachte ich – so wie jedes Kind –  die Erinnerung an Körperlosigkeit und Einheit mit, in der es keine Dualität gibt.
Ich hatte es – so wie jedes Kind –  aus Liebe getan, weil es die einzige Form von Bewusstsein war, die ich jemals kannte. Es war mein freier Wille.

Während der Jahre nach meiner Geburt überschüttete mich das Leben mit Erfahrungen, die mich lehrten, was Gegensätze sind.
Aber auch mein neuer Körper erinnerte sich. Offenbar war er gar nicht ganz so neu. Er erinnerte sich an Vergänglichkeit und ließ mich spüren, was Zeit ist. Mein kleiner Körper war tatsächlich ein Archiv aus Erinnerungen Tausender körperlicher Wesen vor mir. Das war faszinierend!

Das Verhalten der Menschen, die schon länger hier waren, deckte sich sehr genau mit dem, an was sich mein neuer, kleiner Körper erinnerte: es war das Gefühl der Angst.

Als körperliches Wesen hatte ich die Angst kennen gelernt. Ich sah die Angst Tag für Tag in den Augen der Erwachsenen und ich erfuhr, wie viele Ausdrucksformen die Angst haben konnte. Sie ließ die Menschen neidisch, eifersüchtig, gierig, herschsüchtig, einsam, egoistisch, traurig und gewalttätig gegen sie selbst und andere sein.
Alle diese Ausdrucksformen fand ich mit der Zeit auch bei mir und ich dachte, dass man ihnen als körperliches Wesen niemals entfliehen könne.

Viele, viele Jahre später sagte mir jemand, dass ich Angst akzeptieren müsse. Sie sei ein untrennbarer Bestandteil menschlicher Existenz.
Die Liebe hätte mich hierher gebracht. Ich sei aus ihr gekommen, aus Einheit, Glückseligkeit, aus Überfluss ohne Mangel, ohne Leid.

Warum aber hätte sie mich hierher in ein Jammertal schicken wollen?

Dieser Jemand sagte mir dann auch, dass ich hier – wie jeder Mensch – eine Aufgabe habe.
Diese Aufgabe sei, mich wieder an mich selbst zu erinnern.
Zwar hätte ich in der Körper- und Zeitlosigkeit vor meiner Geburt in einem Raum existiert, den man allumfassende Liebe nennt, aber diese Liebe brauche – um wirklich bewusst und lebendig zu werden – jemanden, der sich für sie entscheidet!
Wenn man sich entscheiden soll, braucht man Möglichkeiten der Wahl.

Als körperliches Wesen habe ich die Angst als Gegenteil zur Liebe kennen gelernt und kann nun bewusst wählen.
Wähle ich die Liebe, werde ich mich an mich selbst erinnern und den Ausdrucksformen der Angst alle Macht nehmen.

Viele nennen dies ‘Erlösung’.
Manche nennen es ‘den Himmel auf die Erde bringen’.

Essenz und Intelligenz

Zweifellos ist Gaia, unsere Erde, ein Wesen von großer Intelligenz und alle ihre Kinder sind Erben dieser kosmischen Intelligenz.

Intelligenz ist ja schließlich kein Potential, über das nur der Mensch verfügt. Einzigartig ist am Menschen nur, dass ihm Intelligenz im Zusammenhang mit Denken bewusst wird.

Betrachtet man Lebewesen in Bezug auf ihre Eigenschaften und Fähigkeiten, darf man durchaus einen kreativen und intelligenten Schöpfergeist dahinter vermuten, der seine Schöpfungen ohne Computer und Technikerwissen zur Welt brachte.

Sicher kann man sagen, dass Intelligenz die Essenz des Lebens ist, und dass sie nicht nur im Prozess des Denkens zum Ausdruck kommt, sondern sich im freien Fluss des Lebens auf freudvolle Weise zeigt. Liebe ist der freie und freudvolle Fluss des Lebens. Er ist die Bejahung dessen was ist ohne zu bewerten oder zu trennen oder zu spalten. Die Essenz des Lebens ist das Angebot immer neuer Chancen und Möglichkeiten ohne sich von Altem abzuwenden, sondern es ist die Zuwendung zum Neuen.

Liebe ist auf diese Weise spielerisch und unernst, sorglos und unerschütterlich vertrauensvoll.

Essenz und Intelligenz beobachtet man ganz besonders bei Kindern, die auf spielerische Weise ihre Welt erkunden, bis sie von ihren Eltern mit der Welt der Sorgen und Zweifel konfrontiert werden.

Das Herz denken lassen

Gedanken, die sich immer wieder aufdrängen und manchmal sogar bis in den Schlaf folgen, sind richtige Quälgeister!

Warum sollte man da nicht auch einmal das Herz als Entscheidungshilfe heranziehen?!

Durch die Beanspruchungen des Alltags bei der Arbeit und im Privatleben, ist man immerzu mit äußeren Dingen beschäftigt und verliert den Kontakt zu sich selbst. Der Kopf arbeitet auf Hochtouren, aber mit ihm stellen sich auch Zweifel ein und man kommt oft zu keinem befriedigendem Ergebnis.

Da ist es gut, wenn man zur Ruhe kommen kann und den Kontakt zu sich selbst wieder findet.

Eine kleine Übung:

Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen inneren Körper. Betrachte und fühle dich von innen und beobachte die Energien, die in dir kursieren. Man kann dabei sehr schön in sich selbst umherwandern – von oben nach unten und wieder zurück. Wichtig ist, an aufkommenden Gedanken nicht hängen zu bleiben. Sie haben jetzt keine Wichtigkeit.

Eine anfängliche, innere Unruhe, legt sich im Laufe der Betrachtung. Dann richte deine Aufmerksamkeit auf dein Herz! Spüre die Energien, die dort sind. Beobachte sie, ohne darüber zu urteilen.

Dann lasse einen Gedanken, der dich sehr beschäftigt, vom Kopf hinunter zu deinem Herzen sinken und warte einfach ab!

Möglicherweise wird es dich überraschen, was dein Herz dir antwortet. Sehr oft wird es dir raten, abzuwarten und zur Ruhe zu kommen, einfach erst einmal genau hier und nur jetzt zu sein. Wenn Tränen kommen wollen, dann lasse sie kommen. Sie werden dich leichter machen.

Das Herz wird in dir viel Vertrauen aufkommen lassen und du wirst es vielleicht genießen können, einen Schritt nach dem anderen zu tun und dabei viel Ruhe finden.

Abnabeln von der Angst

  • Wer Angst hat, sucht nach Halt.
  • Wer Angst hat, kann nicht loslassen.
  • Wer Angst hat, schaut weg.
  • Wer Angst hat, kann nicht lieben.
  • Wer Angst hat, leugnet die Realität.
  • Wer Angst hat, sucht Trost in Ablenkung.

Tatsächlich ist Angst so etwas wie eine Seuche, mit der Menschen schon von Kindheit an infiziert werden.

  • Angst vor dem Alleinsein
  • Angst vor Strafe
  • Angst vor Krankheit
  • Angst vor dem Tod

Die Auswirkungen von Angst werden von Kindheit an als selbstverständlicher Aspekt des Lebens akzeptiert. Es entsteht ein Automatismus, Angst zu ertragen und zu kompensieren und viele erlernen darüber hinaus Fertigkeiten darin, Angst auszulösen und sie als Werkzeug gegen andere zu benutzen.

Natürlich ist Angst ein Teil des Menschseins. Denn Angst ist Resultat des Denkens und Denken ist eben menschlich.

Denken beurteilt nach Für und Wider, es wägt ab und kalkuliert und immer hat eine angestrebte gute Lösung auch ein Gegenteil. Jeder Erfolg wirft den Schatten des möglichen Misserfolgs. Je wichtiger der Erfolg bewertet wird und je mehr daran festgehalten wird, desto stärker wird die Angst vor Misserfolg.

Das Leben, das Göttliche, das Sein geht seinen Weg und kümmert sich nicht um menschliche Gedanken. Sie hinken dem Leben hinterher ohne es jemals zu erreichen. Das Denken verpasst das Leben und seine Göttlichkeit.

In der Lücke zwischen Gedanken gibt es keine Angst und keinen Misserfolg. Im gedankenfreien Raum fließt das Leben mit allen seinen Möglichkeiten, ohne dass Tod jemals eine Rolle spielen würde. Tod existiert nicht einmal. Weder als Möglichkeit, noch als Realität.

Wie innen so außen?

Die Antwort auf diese Frage, ob das Innere dem Äußeren entspricht, dürfte keine Zweifel aufwerfen. Oder doch?

Vergleicht man beispielsweise die Organisation menschlicher Gesellschaften mit der Struktur eines menschlichen Körpers, findet man bereits ein Indiz für die Entsprechung von Innen und Außen.

Die Menschen einer Volksgemeinschaft entsprechen den Zellen des Körpers. Die Organe des Körpers sind spezialisierte Zellverbände, die spezialisierten Firmen oder Organisationen entsprechen. Die Zellen des Gehirns sind die Zentrale, die einer Regierung entspricht.

In einem gesunden Körper kennt und erfüllt jede Zelle ihre Aufgabe. Sie tut es zum Wohle der Zellgemeinschaft und letztlich dadurch auch für sich selbst, weil ihr eigenes Überleben und ihre Entwicklung von der Gesundheit der Gemeinschaft abhängt.

Sowohl in Gesellschaften, als auch in der Zellgemeinschaft eines Körpers, gibt es Individuen, die vom Prinzip der Kooperation abweichen und eigene Systeme bilden. Sie profitieren dabei von der Kraft der gesunden Mitglieder, werden immer stärker und größer und schwächen die Gemeinschaft und bringen sie sogar zu Tode.

Befällt es den Körper, nennt man es Krebs. Befällt es eine Gesellschaft, nennt man es vielleicht Korruption, Dekadenz, Profitsucht, Machtgier oder anders.

Noch offensichtlicher ist die Entsprechung, wenn man die Organisation eines Ameisenstaates betrachtet. Er funktioniert praktisch wie ein einziger Körper.

Vielleicht könnte man einer Körperzelle die Frage stellen, was sie unter “Selbstverwirklichung” versteht oder was sie unter Glück versteht. Ich vermute nicht, dass eine (egoistische) Krebszelle glücklich ist. Glückliche Zellen leben und arbeiten für einen gesunden und glücklichen Körper, weil sie sich als “der Körper” verstehen.

Vielleicht würde eine Zelle antworten: “Alle  Zellen mögen glücklich sein!”

Als Mensch würde man sagen: “Alle Wesen mögen glücklich sein!” und “mit meinem Blick auf eine gesunde und glückliche Gemeinschaft der Wesen, entsteht als bedingungslose Begleiterscheinung mein eigenes Glück.”

Ego, ein Angst-Junkie

Darüber, dass es ein “Ego” als Subjekt oder Wesen tatsächlich gar nicht gibt, sind sich die meisten im Klaren. Trotzdem übt es bisweilen tyrannische Macht über Menschen aus und das, obwohl es doch lediglich ein Sammelsurium aus Erinnerungen, Gewohnheiten und Glaubenssätzen ist, mit denen man sich identifiziert. Die Identifikation ist dabei wohl so etwas wie ein Katalysator. Ohne Identifikation wären Erinnerungen, Gewohnheiten und Glaubenssätze schlicht und einfach als Gedanken vorhanden und würden nicht die Form eines eigenständigen Subjektes oder Wesens annehmen, das als “Ich” nach der Macht greift und Dummheiten begeht.

Da die Grundeigenschaft des “Ego” Angst ist, bemächtigt es sich der eigenen Gedanken, die sich dann wiederum mit der Angst beschäftigen. “Ego” beschäftigt sich also mit sich selbst. Angst bekommt viele Kinder. Da ist die Gier, der Neid, der Hass und natürlich die Angst vor dem Alleinsein und vor dem Tod.

Alles unternimmt das “Ego” um seine Ängste im Zaum zu halten und zu betäuben. Es versucht, sich vieler Dinge und anderer Menschen zu bemächtigen. Im Besitz vieler Dinge und mit der Kontrolle über Menschen fühlt sich “Ego” größer und sicherer und das Festhalten daran gibt ihm das Gefühl, dadurch nicht in einem Meer aus Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit unter zu gehen. Es vermittelt einen Hauch Ewigkeit.

„Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“, soll Jesus gesagt haben.

Mit dem “Reichen” wird er denjenigen gemeint haben, der Reichtum, Besitz  und Macht zur Betäubung seiner (Lebens-)Angst benötigt. Mit dem “Reich Gottes” wird er Glück und letztendliche Erfüllung gemeint haben, die nur ohne Angst zu erreichen sind.

Nachhause kommen

Als Gautama Siddharta zum Buddha wurde, hatte er nicht Meditation erfunden, sondern er war zu Meditation geworden. Er hatte seine Augen für das innerste Wesen des Daseins geöffnet, das in jedem Individuum vorhanden ist.

Das innerste Wesen des Daseins ist die Kreativität und Liebe, die diese faszinierende Welt der Formen erschaffen konnte.

Ist es schwer zu verstehen, dass unsere Erde mit allem was sie als “Mutter” hervorbringt, nur die Ausdrucksform von Kreativität und Liebe ist? Ist es möglich zu sehen, dass der Kampf mit den Dingen lediglich ein irrealer Kampf gegen ein Spiegelbild ist? Der Schritt des Erkennens, dass wir nach Glück und Frieden suchenden Menschen ebenso ein Spiegelbild sind, ist so winzig klein und dennoch erscheint er für unsere Vorstellung nicht zu überbrücken zu sein.

Vielleicht würde Buddha sagen: Du brauchst nur deine Blickrichtung ändern!

Möglicherweise würde er uns raten, nicht die Dinge selbst zu betrachten, sondern den Prozess, der sie verändert, entstehen und vergehen lässt. Betrachtung in dieser Weise ist eine Qualität, die nur das Herz bietet.

“Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.”.

Meditation im Alltag ist die Betrachtung meines Tuns, wie ich es tue. Mit welcher Hingabe, Kreativität, Liebe und Freude tue ich es? Weniger das Ergebnis steht für diesen Moment im Vordergrund, sondern meine innere Einstellung.

Bin ich ergebnisorientiert, trenne ich mich von mir selbst und meiner Kraft. das Tun wird zur Arbeit und zur Last.

Das “Göttliche” hat mit seiner Schöpfung keine Last. Es “handelt” in Liebe, Kreativität und Freude.

Körperlichkeit als Ausdruck des “Sein”

Dass es das “Ich” nur als Vorstellung gibt, weiß mittlerweile jeder. Eine Vorstellung ist eine Gedankenform. Wenn das “Ich” Identifikationen mit Gedanken und Vorstellungen erzeugt, dann beginnt sich die Welt aufzusplittern und “Ich” illusioniert sich als abgetrenntes Fragment. Das “Ich” fühlt sich bedroht, fühlt sich allein und unvollständig und ist auf der Suche nach Frieden und Ganzheit.

Die “Ich”-Vorstellung ist ein überaus dichtes Gedankennetz, das alle Bereiche des Lebens durchzieht. “Ich” identifiziert sich mit allem was es besitzt: Mit seinem Körper, seinen Gedanken, Erfahrungen, mit seinen Emotionen, mit seinem eigenen Wert und seinen dinglichen Habseligkeiten.

Warum konnte die “Ich”-Vorstellung überhaupt entstehen? Ganz zweifellos ist es ein Schachzug der Evolution, um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Körperlichen zu gewährleisten. Gäbe es keine Identifikation mit dem Körperlichen und würde “Ich” sich nicht als etwas Besonderes empfinden, gäbe es keine Notwendigkeit, auf das Körperliche zu achten und es erhalten zu wollen. Die Evolution strebt nach der Perfektionierung der genetischen Informationen. Evolution allerdings ist lediglich eine Kraft, die ausschließlich auf das Körperliche bezogen ist.

Körperlichkeit ist das Fest oder das Ritual, in denen sich das “Sein” zum Ausdruck bringt und Evolution kreiert die Ausstattung.

Ein Ritual, das nur noch aus Gewohnheit begangen wird, ist eine leere Handlung. Es ist wie Beten, weil Sonntag ist oder wie Weihnachten, weil der 24. Dezember jedes Jahr auf dem Kalender daran erinnert.

Körperlichkeit ohne die Bedeutung des “Sein” ist eine Abfolge von Gewohnheiten. Es ist mechanisch, inhaltslos und kalt.

Bewusst-Sein gibt dem Fest der Körperlichkeit einen Inhalt. Nicht das Fest als Handlung ist von Bedeutung, sondern die festliche Stimmung, die zu festlicher Handlung führt.

Körperlichkeit als Ausdrucksform des “Sein” ist spielerisch, freudvoll und ohne Verkrampfung oder Angst.

Gerät das “Sein” in Vergessenheit, bleibt die sinnentleerte Hülse des Körpers übrig und folgt nur noch dem evolutionären Überlebenskampf der Dinge und Körper untereinander.

Jiddu Krishnamurti, ein Auszug aus einem öffentlichen Vortrag

Jiddu Krishnamurti hielt zu Beginn der 1980er-Jahre in Saanen (Schweiz) eine Reihe von Vorträgen, die sich thematisch der Entwicklung des Bewusstseins und der Ergründung menschlichen Leids widmeten. Jiddu Krishnamurti ist einer von vielen Lehrern, die sich dieser Themen annahmen, aber er ist einer von sehr wenigen, die es in dieser bemerkenswert klaren Weise taten.

Bestechend sind Krishnamurti’s Eindringlichkeit und Präzision des Ausdrucks, die es selbst nach 30 Jahren noch vermögen, solche ausgiebig besprochenen Themen weiter zu vertiefen oder Grundlegendes erst einmal verstehen zu lassen.

Gerade in unserer aktuellen Zeit des sehr rasanten Wandels und Umbruchs, ist besonders dieser Vortrag ein eindringlicher Aufruf an die Menschheit, sich der gewohnten Denk- und Verhaltensmuster endgültig, absolut schonungslos und tiefgründigst bewusst zu werden.

Der nachfolgende Text ist die Mitschrift eines 75 Minuten langen Vortragsvideos.

Diesen Artikel als PDF-Datei herunterladen:  KrishnamurtiPublic3-1980.pdf

Die Menschheit folgt seit Jahrtausenden dem selben Muster

Wir haben festgestellt, dass der Mensch seit Jahrtausenden in dauerndem Kampf und Konflikt lebt. Dies nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit seiner Umwelt und mit seinem nahen oder entfernten Nachbarn. Diesem Vorbild folgen wir seit Jahrhunderten.

Wenn man das Geschehen in der Welt beobachtet, denkt man, dass es eine Antwort geben müsste, dass es einen Ausweg geben müsste, dass es eine weltumfassende Denkungsart geben müsste, wo wir nicht nur als Gruppe oder Individuen denken, sondern an der ganzen Menschheit interessiert sind. Die Menschheit, das sind Sie und ich. Wir unterscheiden uns nicht von der Menschheit in Indien, China, Russland oder sonst wo. Wir machen alle denselben Kampf durch, haben die gleichen Ängste, dieselben Konflikte, wir leiden alle unter demselben Elend.

Wir müssen versuchen, die Ursache zu entdecken. Und wir müssen herausfinden, nachdem wir die Ursache gefunden haben, ob der Geist dann fähig ist, diese Ursache aufzulösen und damit ein anderes Handeln bewirken.

Die Frage nach der eigenen Bindung an Vorstellungen

Wenn Sie dieses Problem ganz unpersönlich betrachten können, ohne einen Standpunkt einzunehmen, ohne an einen besonderen Glauben, an eine Person oder an ein Dogma gebunden zu sein, dann wird es vielleicht möglich sein, wirklich daran zu arbeiten.

Die Frage lautet: Wie kommt es, dass die Menschen, die schon so lange Zeit leben, das gleiche Verhaltensmuster immerzu fortsetzen? Vielleicht tun sie das in einer etwas anderen Form, vielleicht sind sie besser informiert, was sie befähigt, bestimmten Herausforderungen zu begegnen. Aber im Grunde ist der Mensch das, was er seit Jahrtausenden war.

Aber wir sagen, die eigentliche Ursache könnte darin liegen, dass jeder Mensch etwas zu werden versucht. Dies nicht nur in der materiellen Welt, sondern auch im psychologischen Bereich, wo er mit großer Anstrengung versucht, etwas zu sein oder etwas zu werden.

Sie können das bejahen oder verneinen, dass dies die eigentliche Ursache ist. Auf jeden Fall sollte man sich sehr ernsthaft damit auseinandersetzen. Nicht nur im Austausch von Meinungen und Ideen, die sich gegenüberstehen. Vielleicht kann man auch über das Wort an sich hinausgelangen und handeln.

Ideen und Ideale begründen unsere Verhaltensmuster

Versucht nicht ein Jeder von uns auf die eine oder andere Weise, anders zu sein, als er ist? Versucht man nicht etwas zu erreichen, etwas zu werden, etwas zu ändern?

Wenn man sich darüber einig ist, dass hierhin die Ursache für das große Elend in der Welt liegt, aus der so viel Verwirrung erwächst, dann kann man über das Problem nachdenken.

Unsere Beobachtungen zeigen uns, dass unsere Handlungen auf Ideen gründen. Ideen sind wichtiger, als die Handlung selber.

Ideen und Ideale sind der Hintergrund, von dem aus wir handeln. Ob diese Ideen nun persönlicher Art sind oder in Jahrhunderten entwickelt wurden, einschließlich jener Ideen, die von organisierten Religionen sanktioniert werden, immer leben und bewegen wir uns innerhalb von Ideen.

Ideen können Symbole sein, sie können Erinnerungen sein, Erfahrungen und Schlussfolgerungen. Ideen schaffen Werte. Es sind Werte, die befriedigend sind, die wünschenswert, gewinnbringend oder bedeutungsvoll sind.

Nachdem wir diese Werte, die auf Ideen gründen, geschaffen haben, handeln wir gemäß dieser Wertvorstellungen. Diese Werte werden durch das Denken hervorgebracht. Unser Handeln basiert also auf Wertvorstellungen. Diese Werte werden durch die andauernde Anpassung an die Umstände, an den Charakter, an die Bedürfnisse und an die sozialen Umweltbedingungen geschaffen. Unsere Handlungen gründen also auf Wertvorstellungen, die das Ergebnis des Denkens sind.

Wir engen und schränken unseren Geist ein

Es muss klar werden, dass ein Geist, der Wertvorstellungen hat, sehr eingeengt ist, denn diese Werte werden vom Denken, von Bedürfnissen, geschaffen. Deshalb ist Handeln immer eingeschränkt. Wenn man sich das genau anschaut, dann erkennt man, dass das ganze Leben Handlung ist. Sprechen, Gehen, Denken, wissensgemäß handeln, Verantwortung, Freundschaft, unser ganzes Dasein ist Handlung. Gleichgültig, ob die Handlung von Werten gelenkt wird oder aus Erfahrung oder aus den Sanktionen der Gesellschaft, der Kultur oder der Religion stammen. Das ist das Muster unserer Existenz.

Jeder Mensch schafft sich seine eigenen Werte, was für ihn wichtig ist, was unwichtig ist, was wertvoll ist und was nicht, was wohltuend und wünschenswert ist.

Gibt es rechtes, korrektes und freies Handeln?

Die Frage ist, gibt es eine Handlung, die nicht auf Wertvorstellungen beruht?

Unsere Handlungen gründen immer wieder auf alten Erinnerungen und Werten oder gegenwärtigen Werten oder zukünftigen Idealen. Es ist das, was sein sollte, das, was war und das, was ist.

So wird unser Tun zu einer andauernden, fortlaufenden Bewegung. Es ist eine Bewegung aus der Vergangenheit in die Gegenwart, die sich modifiziert und so in die Zukunft fortsetzt.

Unsere Handlungen gründen immer auf der Vergangenheit. Es gibt keine spontane Handlung. Jeder redet heute von mehr oder weniger spontaner Handlung. Aber diese spontane Handlung gibt es gar nicht. Im Wesentlichen gründet alles auf alten Erinnerungen, vergangenen Werten, die sich laufend verändern, aber im Wesentlichen in der Vergangenheit wurzeln. Deshalb gibt es keine spontane Handlung.

So fragt man, was ist rechte Handlung? Es ist Handlung, die nicht vergangenheits- oder wertbezogen ist, weil das die Handlung einschränkt. Die Vergangenheit und die Werte entspringen dem Denken, welches das Ergebnis des erlenten Wissens ist.

Es ist sehr wichtig, herauszufinden, ob es Freiheit im Handeln gibt.

Heutzutage meint man, man habe Freiheit zur Handlung, weil man tun kann, was man will. Das ist die vorherrschende Mode. Jeder tut, was er will ohne den Vater oder die Regierung im Rücken zu haben. Diese Freiheit führt mehr oder weniger zu diesem augenblicklichen Chaos, wo jeder genau das tut, was er mag. Deshalb muss man selber entdecken, was rechtes Tun ist.

Ein Tun, das nicht auf Konzepten beruht, nicht auf Idealen, nicht auf Wertvorstellungen beruht. Dies ist nicht etwas, mit dem man sich einmal beschäftigt und dann wieder vergisst. Es berührt das tägliche Leben und ist deshalb eine sehr ernste Angelegenheit.

Es ist eine sehr ernste Frage: Gibt es eine Handlungsweise, die nicht auf dem Marxismus, nicht auf dem Christentum oder auf irgendwelchen anderen menschlichen Wertvorstellungen gründet, die das Ergebnis des Denkens sind?

Handlung aus innerer Bindung an Ideale, Dogmen und Wertvorstellungen wird immer korrupt

Gibt es eine Handlungsweise, die unter allen Umständen richtig ist? Man muss also herausfinden, was richtig ist. Man kann antworten, was ein Anderer sagt, ist recht. Oder man kann einen bestimmten Glauben haben, demgemäß man handeln wird und das wird als recht angesehen. Oder man hat Erfahrungen, welche die Handlungsweise beeinflussen und deshalb als korrekt angesehen werden. Aber wir weisen daraufhin, dass solches Handeln auf Vorurteilen gründet.

Ein Vorurteil hat etwas mit Idealen gemeinsam. Vorurteile prägen das Denken. Egal, ob diese Vorurteile durch die Kultur entstanden sind oder durch die Religion angenommen wurden, solche Handlungsweise gründet im Wesentlichen auf Wertvorstellungen.

Man kann fragen: Gibt es eine Handlung, die auf nichts dergleichen gründet?

Solche Handlung wäre Freiheit.

Alles Andere wäre bedingt und abhängig. Daher wird alles Handeln entstellt und korrupt.

Natürlich ist mein Handeln dann das Produkt meines Glaubens und die eigene Handlung wird entsprechend eingeengt und korrupt sein.

Das Wort korrupt kommt vom lateinischen rompere und bedeutet brechen, zerstückeln, fragmentieren. Das ist die Grundbedeutung des Wortes korrupt.

Unser Handeln ist dann also immer korrupt und niemals ganz.

Um entdecken zu können, was rechtes Handeln ist, muss man wirklich frei von allen Wertvorstellungen sein.

Was ist rechtes oder korrektes Handeln? Das Wort korrekt bedeutet präzise, wirklich, tatsächlich, unverzerrt und daher gleichbleibend.

Rechte Handlung bedeutet eine Handlung, die gleichbleibend ist, unter keinen Umständen abweicht, genau ist und nicht auf irgendeiner romantischen oder sentimentalen Vorstellung gründet. Gibt es eine solche Handlung?

Handeln, das nicht auf einem Prinzip basiert, nicht auf einem Ideal beruht und auch nicht das Ergebnis persönlicher oder anerzogener Werte ist. Sonst ist es korruptes Handeln.

Ein Geist, der an eine Idee gebunden ist, an ein Konzept, an eine Wertvorstellung oder an eine Person, macht Handlung immer korrupt.

Wenn man an eine Person gebunden ist, wird diese Bindung die eigene Handlungsweise ganz offensichtlich bestimmen. Wenn man an einen Glauben gebunden ist, wird die eigene Handlungsweise glaubensgemäß und daher korrupt sein. Wenn man nach seinem eigenen Erfahrungswissen handelt, wird die Begrenztheit des Wissens die Handlung immer korrupt sein lassen.

Beobachtung anstatt Analyse

Und jetzt fragen wir, gibt es eine Handlung, die nicht korrumpiert werden kann? Wir sagen, ja, die gibt es!

Diese Handlung tritt ins Dasein, wenn man die Konsequenzen seiner Wertvorstellungen beobachtet und nicht analysiert, wenn man beobachtet, wie diese Wertvorstellungen entstehen. Man kann beobachten, dass Handlungen unvermeidlich zerstörerisch und korrupt werden, wenn sie aus der Bindung an eine Person, an ein Konzept oder an eine Idee entspringen.

Durch Beobachtung und nicht durch Analyse, können diese Bindungen aufhören.

Inneres Gebundensein erzeugt Konflikt

Angenommen, man ist an ein Symbol gebunden. Es kann ein übernommenes sein oder ein eigenes , das man sich aus mythologischem Wissen geschaffen hat. Solch ein Symbol wird durch das Denken erschaffen. Man ist dann an ein solches Symbol gebunden und handelt demgemäß.

Das Ergebnis ist ein Konflikt – nicht nur im Verhältnis zum Symbol oder zum Glauben -, sondern auch im Verhältnis zu meinem täglichen Handeln. Man beobachtet es, man erkennt es als eine Tatsache.

Können wir die Tatsache erkennen, dass, solange man an irgendetwas gebunden ist, an eine Person, an einen Glauben, an ein Konzept, an eine Idee, an das eigene Wissen und die eigene Erfahrung, dann das Ergebnis solcher Handlungsweise unumstößlich Konflikt nach sich ziehen wird?

Beispielhaft anders ausgedrückt: Angenommen, jemand ist Jude. Er hält an dieser Vorstellung fest. Angenommen, ein anderer ist Araber oder Mohammedaner. Dann haben diese Beiden Krieg. Das ist ziemlich einfach zu beobachten.

Wenn  man aber tiefer geht und ins Innere geht und sich aus verschiedenen Gründen an eine Person anklammert, dann bringt gerade diese Bindung viel Konflikt, Angst und Hass mit sich. Kann ich diese Tatsache beobachten, ohne sie zu analysieren?

Beobachtung ist Enthüllung dessen, was vor sich geht

Es soll gleich erläutert werden, was unter Beobachtung zu verstehen ist. Ist es möglich, sich zu beobachten, ohne dass es da irgendeine Verzerrung gibt? Kann man beobachten, ohne verändern zu wollen, was man sieht und ohne den Versuch zu unternehmen, das Gesehene wegrationalisieren zu wollen oder es überwinden oder unterdrücken zu wollen? Kann man, wie in einem Spiegel, nur das beobachten, was man wirklich sieht? Ist man in der Lage, seine Reaktion, die beispielsweise aggressiv sein kann, beobachten? Kann man seine Aggressivität und deren Ursachen beobachten, ohne zu analysieren? Kann man das ohne Rechtfertigung, Entschuldigung oder Verleugnung beobachten? Es dürfte recht schwierig sein, denn wir sind zur Analyse erzogen worden. Wir erwarten, durch die Analyse die Ursache zu entdecken und zu überwinden. Man muss aber sagen, dass der analytische Prozess den Geist nicht von der Ursache befreien wird. Wenn man nur beobachtet, ohne emotionale Reaktion, wenn man es also genauso sieht, wie es ist, dann lässt man die Tatsachen sprechen und nicht umgekehrt. Wir beschäftigen uns immer damit, was man mit der Tatsache tun sollte. Man beschäftigt sich damit, wie es sein sollte, wie es nicht sein sollte, und dass man sich näher damit befassen sollte. Wir gestatten den Tatsachen niemals, sich selber zu enthüllen.

Beobachtung ist die Enthüllung dessen, was vor sich geht.

Die meisten Menschen sind an eine Person gebunden. Sie sind an den Partner gebunden, an die Kinder, an den Priester oder den Guru, an ein Meditationssystem oder irgendetwas dergleichen. Ist man fähig, diese Bindung zu beobachten? Wenn man die Bindung beobachtet, kommt sofort die Reaktion, die fragt, was denn schlecht an der Bindung ist. Die Konsequenzen der Bindung sind Angst und damit Hass und Eifersucht und damit Mangel an Liebe.

Beobachter und Beobachtetes sind identisch

Wenn man sorgfältig beobachtet, ohne zu entstellen, was man sieht, dann ist diese Beobachtung der Akt der Intelligenz.

Man kommt dabei an einen Punkt, der sehr wichtig ist:  Es gibt ein Handeln, das unter allen Umständen korrekt ist. Wenn man die Tatsache des wirklichen Geschehens ohne jegliche Verzerrung beobachtet, sollte man sich folgende Frage stellen: Ist die Tatsache dessen, was tatsächlich als Bindung geschieht und die Konsequenzen dieser Bindung denn so, dass das Beobachtete etwas Anderes ist, als der Beobachter? Wenn man zornig ist, dann gibt es in dem Moment des Zorns keinen Unterschied zwischen dem Beobachteten und dem Beobachter. Erst eine Sekunde später kommt es zur Spaltung. Es kommt der Gedanke, wütend gewesen zu sein. Man erkennt das Gefühl des Zorns, weil man es früher schon hatte. So entsteht die Spaltung in dem Moment, in dem sich der Beobachter von dem trennt, was er beobachtet. Wenn man das erkennen kann, wird man allen Konflikt ausschließen können, denn der Konflikt besteht zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten.

Unterscheidet sich eine Bindung an eine Person von mir selbst? Oder bin ich selbst die Bindung?

Tatsächlich findet man schnell Ausflüchte, weil man sich dieser Tatsache nicht gerne stellen möchte. Denn wo es Bindung gibt, egal ob an ein Problem, ein Ideal, eine Idee, eine Organisation, eine Person, ein Dogma oder ein Ritual, da muss es Korruption geben. Korruption bedeutet Angst und Angst zieht Hass, Konflikt, Eifersucht und Antagonismus nach sich. All das sind Ausdrucksformen von Korruption und nicht der Akt der Liebe. Dabei ist es ein Unterschied, ob man diese Tatsache wirklich und nicht analytisch erkennt. Wenn man es erkennt, ist dann der Erkennende etwas Anderes, als das, was er erkennt? Wo Spaltung ist, da muss Konflikt sein. Das ist ein Gesetz. Wo Teilung existiert, da ist Konflikt zwangsläufig.

Das Denkmuster der Trennung und Spaltung ist der entscheidende Punkt

Seit jeher leben wir mit dieser Norm, mit diesem Muster, dass der Denker sich vom Gedachten unterscheidet. Deshalb versucht der Denker andauernd, die Gedanken zu beherrschen. Aber der Denker ist das Gedachte! Wenn man also seine Bindungen beobachtet, sei es an eine Person oder an ein Möbelstück, dann stellt sich die Frage, ob die so gebundene Person etwas Anderes ist, als die Bindung selbst. Sobald es keine Spaltung und daher keinen Konflikt gibt, endet der ganze Vorgang des Verhaftetseins.

Es ist ultimativ wichtig, zu erkennen, an was man gebunden ist. Wenn da etwas ist, dann ist es wichtig, das zu beobachten. Wenn einem dieses Verhaftetsein gefällt und einem auch alle Konsequenzen des Verhaftetseins gefallen, dann ist das völlig in Ordnung. Niemand wird einen daran hindern. Wenn man aber erkennen will, ob es eine Handlung gibt, die nicht korrupt ist und die unter allen Umständen recht ist, dann muss man frei sein von allen Wertvorstellungen und von jeglicher Bindung. Wenn man das Verhaftetsein beobachtet, dann ist es Intelligenz, die den ganzen Vorgang beobachtet. Es ist nicht Analyse. Wo also Intelligenz ist, da gibt es auch rechtes Handeln. Intelligenz ist nicht Wissen und sie ist auch keine gespeicherte Information. Wo es Einsicht gibt in dieses Verhaftetsein, da ist diese Einsicht selbst die Intelligenz und aus dieser Intelligenz selbst entsteht richtiges Handeln.

Der Mensch lebt sein Millionen von Jahren mit der Korruption und all seine Handlungen sind seither korrupt, sie haben Chaos und Konflikte gebracht und seine Handlungen gründen alle auf Idealen, Konzepten und Wertvorstellungen, die alle das Produkt der Gedanken sind.

Einsicht ist der Augenblick des vollständigen Erfassens dessen, was ist

Es gibt keinen göttlichen oder absoluten Wert, obgleich die Priester das behaupten mögen. Wenn sie es sagen, so ist es die Aktivität ihres eigenen Denkens.

Es gibt ein Handeln, das vollkommen heil, unbestechlich und ganz ist. Dies gilt für das tägliche Leben. Diese besagte Intelligenz wird aus Einsicht geboren. Beispielsweise durch Einsicht in Bindung. Einsicht bedeutet, den Gesamtvorgang des Verhaftetseins sofort zu erfassen. Jeder wird irgendwann einmal eine Einsicht gehabt haben.

Einsicht ist keine Erinnerung, sie ist nicht der Vorgang der Bewertung oder der Schlussfolgerung, sondern sie ist vielmehr ein Augenblick des vollständigen Erfassens dessen, was Sie im Ganzen sehen. Das ist die Essenz und das Wesen der Intelligenz. Diese Intelligenz gehört weder Ihnen, noch gehört sie mir. Deshalb handelt diese Intelligenz immer korrekt.

Versuchen Sie, das zu erkennen. Egal, wo Sie sind, beobachten Sie sich, wie sie sich Ihrem Partner, Ihren Kindern, der Politik, der Religion gegenüber verhalten. Können Sie das Ganze ohne Analyse erfassen? Können Sie alle Konsequenzen und die Ursache dieser Bindungen erfassen? Genau das beinhaltet Freiheit von der Zeit.

Warum denken wir in zeitlichen Mustern?

Das Gehirn ist das Ergebnis von Zeit. Niemand wird das bestreiten. Es hat sich im Laufe von Jahrmillionen von der primitivsten zur höchstkomplexen Zelle entwickelt. Das hat Zeit gebraucht und das bedeutet Evolution.

Das Gehirn funktioniert innerhalb der Schablone von Zeit. Das Gehirn arbeitet nach diesem zeitlichen Vorbild: Gestern, Heute und Morgen. Die Sonnenaufgänge und die Sonnenuntergänge. „Ich werde sein, ich hoffe zu sein, ich will werden.“ Das ist die Bewegung der Zeit. „Ich freue mich, dich morgen zu sehen.“, das ist Zeit. Hoffnung zu haben, bedeutet Zeit. Das Gehirn arbeitet nach dem zeitlichen Vorbild, denn so ist es auch entstanden. Seit Millionen von Jahren leben wir nach diesem zeitlichen Vorbild. Es gibt nicht nur die physische Zeit – Gestern, Heute, Morgen -, sondern auch die innere, psychologische Zeit. Wir sprechen dabei von der inneren Zeit des Geistes und des Gehirns. Das Gehirn, das Teil des Geistigen ist, handelt und denkt in den Begriffen der Zeit und wir leben seit Millionen von Jahren nach diesem Vorbild und wir führen es weiter fort. Wir leben nach diesem Muster. Wenn die Zeit nicht endet, wird das Muster immer und immer wieder wiederholt werden.

Zur Verdeutlichung: Man benötigt Zeit, um etwas zu werden. Wenn  man ein guter Chemiker werden will, braucht man Zeit. Man braucht Zeit, um eine Sprache zu erlernen, man braucht Zeit, um ein guter Autofahrer zu werden. Man braucht Zeit, um Wissen und Fertigkeiten zu erwerben. Dasselbe Muster wird im Psychologischen angewandt. Man braucht Zeit, um selbstlos zu werden, man braucht Zeit, um gut zu werden.

Wenn man sagt: „Ich brauche Zeit, um selbstlos zu werden.“, dann ist gerade genau das die Essenz der Selbstbezogenheit. So arbeitet unser Gehirn immer im Zeitlichen und die Zeit ist seine Bewegung. Von hier nach dort, räumlich gesehen. Aber Zeit ist auch, etwas zu werden, psychologisch betrachtet und somit ist es auch eine Bewegung.

„Ich bin nicht gut, aber ich werde gut werden.“, das ist eine Bewegung von dem, was ist, zu dem, was sein sollte. Das Denken ist auch eine Bewegung. Zeit ist Denken. Nach diesem Muster leben wir seit jeher und dieses Muster hat den Menschen nicht gewandelt in all dieser Zeit.

Auch Denken ist eine Bewegung

Gibt es nun eine Möglichkeit, mit diesem Muster der Zeit zu brechen? Wir behaupten: Es gibt eine Möglichkeit.

Die Analyse ist Teil des Denkens und daher ein Vorgang in der Zeit. Sobald man Einsicht in das Wesen der Analyse erhält, ist es das Ende der Analyse. Einsicht gehört nicht der Zeit an.

Wenn ich Einsicht in mein Verlangen und meine Wünsche habe und in den ganzen Vorgang des Verlangens, dann kann das einerseits den Vorgang des Verlangens analysieren und untersuchen und dann zu einem Schluss kommen, oder aber, man kann den ganzen Vorgang des Verlangens beobachten. Dann ist gerade diese Beobachtung eine Einsicht und die gehört nicht der Zeit an.

Man kann es auch anders ausdrücken: Sie sind an das Eine oder an das Andere gebunden. Können Sie damit sofort Schluss machen? Wenn Sie es augenblicklich tun, ist dies das Ende der Zeit. Wenn Sie aber sagen, dass Sie sich damit befassen werden, dass Sie es analysieren werden und sehen wollen, ob es richtig oder falsch ist, dann wiederholen Sie das alte Muster.

Es ist von so großer Bedeutung, dass die Zeit aufhört, weil das die wahre Freiheit von dem ist, was gewesen ist.

Die Menschheit hat seit jeher gefragt, ob Zeit enden kann. Zeit muss enden.

Wir meinen, die Zeit endet durch irgendeine Meditation. Die Menschen haben viel darüber gesprochen. Vielleicht nicht so viel im Westen, aber sehr viel im Osten. Man sagt dort, die Zeit endet, wenn die Gedanken beherrscht werden, denn Denken ist ein zeitlicher Vorgang. Denken ist Zeit. Aber wir sagen, Zeit kann enden, wenn man unverzerrt beobachtet. Wenn man beobachtet, was tatsächlich vor sich geht, nämlich die momentanen Reaktionen min einem selbst, wie Reaktion auf Bindung, warum man gebunden ist und wenn man augenblicklich erkennt, was die Konsequenz der Bindung ist. Wenn man das alles sofort und im Ganzen erkennt, hört die Zeit auf.

Wenn man sagt, dass man es herausfinden will, ob man an etwas gebunden ist, dann wird man herausfinden, dass man gebunden ist. Und die Konsequenzen sehen: Angst, Hass, Besorgnis, Eifersucht und alle möglichen Formen von Konflikt.

Wenn Sie sagen, Sie haben sich daran gewöhnt und es macht Ihnen nichts aus, dann leben Sie eben in dauerndem Konflikt, was der gewöhnliche Mensch eben tut.

Wenn Sie diesen Konflikt beenden wollen, dann können Sie das nur sofort tun. Sie können das erreichen, indem Sie es ohne jegliche Verzerrung und Störung anschauen.

Dein Körper ist ein Tempel

Du bist nicht dein Körper. Du bist nicht deine Gedanken und nicht deine Erinnerungen. 


All das sind Werkzeuge, Hilfsmittel, die dir behilflich sind, deinen Alltag zu organisieren und dich in der materiellen Welt zurechtzufinden.

Dein Körper ist ein Vehikel, ein wundervolles Werkzeug.
Er ist das Ergebnis aus den Erfahrungen und Wünschen von Tausenden von Generationen vor dir! Du darfst all das nutzen. Alle Erfahrungen und Geschichten deiner Ahnen sind in deinem Körper gespeichert. Du kannst in ihm lesen, wie in einem Geschichtsbuch.

Nur ein ganz, ganz winziger Teil dieses Körpers stammt von dir.
Es ist die oberste, dünne Schicht – deine individuelle Geschichte deines jetzigen körperlichen Lebens.

Wenn du meditativ bist und zum Beobachter deines Körpers  wirst, kannst du die Weisheit und den Erfahrungsschatz erfühlen, den er in deine Welt mitgebracht hat.

Beobachte deine Bewegungen, wie sicher dein Körper sie beherrscht. Erfreue dich an der Anmut und Schönheit.
Du kannst staunen, wenn dir bewusst wird, was dein Körper alles für dich tut, ohne dass du auch nur einen Augenblick darüber nachdenken musst!
Dein Kreislauf, deine Atmung, deine ganze Biochemie, sein Wachstum, seine Fähigkeit, sich an die widrigsten Umstände anzupassen!!
Es ist ein absolutes Wunder.

Du bewohnst diesen Körper und es ist eine Gnade, ein Geschenk der Liebe, das du erhalten hast.
Lausche auf das, was dir dein Körper erzählt, sei aufmerksam!
Er hat seine eigene Sprache, die du nur verstehen kannst, wenn du sehr aufmerksam bist. Es ist die Sprache Gottes.

Geh ein paar Schritte und versenke dich in Andacht in deinem ganz persönlichen Tempel.
Irgendwann wird Gott ganz direkt und unmissverständlich zu dir sprechen!

Die Verwirrung um Traum und Wirklichkeit

Träume sind die Schminke und die Kleider für die nackte Wirklichkeit. Kleider und Schminke können sich ändern, sie können kaschieren und täuschen.

Nackte Wirklichkeit ist wie sie ist – ohne zusätzliche Schnörkel, ohne Möglichkeit zur Beschönigung, ohne Betonung oder Zensur.

Weil Wirklichkeit so absolut und total ist, macht sie Angst. Der Traum ist entweder ein Notausgang für die Ängstlichen oder er ist der kindlich verspielte Schmuck der Furchtlosen.

Die Tatsache, dass Traum jederzeit möglich ist, macht ihn verehrungswürdig göttlich. Er ist das Spielen im bunten, inneren Spielzimmer, in dem sich Myriaden von möglichen Wirklichkeiten eine Kinderstube teilen.

Träume sind zarte Knospen, in denen die unerschöpfliche Lebenskraft zauberhaft erblühender Wirklichkeit enthalten ist.

Wenn Träume erwachsen werden, dann nennt man sie Wirklichkeit.

Alleinsein

Ich erinnere mich, dass der Begriff Alleinsein einen ähnlich negativen Beigeschmack wie der Begriff Einsamkeit erzeugt.
Ganz klar sind beide Begriffe in ihrer tiefsten Bedeutung völlig unterschiedlich.
Während Einsamkeit ein Gefühl der Abgetrenntheit und des Verlassenseins ausdrückt, ist Alleinsein eine Bezeichnung für die natürlichste Form des Daseins.
Mit ein wenig Wortspielerei kann man den Begriff zu All-Ein-Sein verändern.
Ja, alles ist eins, will der Begriff begreifen lassen.
Schließlich ist es nur ein Trick des Gehirns, der die Empfindung des Abgetrenntseins vom Ganzen erzeugt.

In tiefer Meditation sind alle Formen, ob niederschwingend materiell oder höherschwingend feinstofflich wie Gedanken, sich wandelnde und vergängliche Erscheinungen der Stille und Leere, die sich auf der Leinwand des Bewusstseins abbilden.

In der Tiefe des Herzens, wo unschuldiges Wissen vom Anbeginn aller Zeiten darauf wartet, erkannt und gelebt zu werden, existieren nur Verbundensein und Einheit.
Der Gegenspieler dieses Wissens ist die Illusion vom Abgetrenntsein, die das Gehirn sehr glaubhaft erzeugt.

Alltag und Spiritualität

Alle spirituellen Fragen und Antworten scheinen wenig mit dem Alltag zu tun haben zu wollen. Sie erscheinen wie ein Film, dem man sich für seine Dauer widmet.
Das erscheint so, weil Alltag aus Gedanken, Überzeugungen und Vorstellungen zusammengehalten wird. Spirituelles, Meditation, lässt mich hinter die Kulissen sehen. Dort kann ich meinen gewohnten Alltag nicht mehr erkennen. Der verstandesorientierte Bereich meines Gehirns sucht nach bekannten Verknüpfungen, er versucht sich ein Bild zu machen, was er in Meditation aber nicht kann. Die Verknüpfungen sind nicht vorhanden. Es kommt ein seltsames Gefühl von Erlösung auf, das sich mit dem Gefühl der Unsicherheit vermischt. Das Problem für das Gehirn ist es, Alltag und Spiritualität zusammen zu bringen.

Gewohnt ist, andere Menschen als “Andere” zu sehen, von denen ich ein Bild gespeichert habe.
Gewohnt ist, mich in einer Rolle innerhalb der Welt zu sehen.
Gewohnt ist, mich mit meiner persönlichen Geschichte zu identifizieren.

Was geschieht, wenn mir Meditation alle Bilder, Rollen und Geschichten nimmt?
Gehirn sucht nach Sicherheit. Ohne Orientierung an Bildern, Rollen und Geschichten kann es diese Sicherheit nicht finden.

Was kann ich tun?
In der Meditation gibt es einen entscheidenden Punkt:
Sobald ich meditativ werde, meldet sich mein Verstand mit Angst. Er fürchtet um seine Kontrolle. Diese Sucht nach Kontrolle ist sein Wesen. Es ist einfach so. Er handelt nur nach seinem Wesen. Er darf das!
Das Entscheidende ist, diesen Punkt nicht zu verpassen!
Gewohnt ist auch hier, der Suche nach Sicherheit und Kontrolle nachzugeben und aufkommenden Gedanken zu folgen, bis die unkontrollierte Situation wieder “rationalisiert” ist.
Habe ich nachgegeben, ist Meditation für dieses Mal verpasst.
Nutze ich die Möglichkeit, Angst unbeteilgt zu beobachten, kann ich sehen, dass sie ein Prozess ist, der von selbst abläuft und dem ich aber nicht  ausgeliefert sein muss.
Habe ich auf diese Weise Angst als Funktion meines Gehirns erkannt, habe ich innerlich einen großen Schritt in eine für mich neue Welt der Realität getan!
Wenn ich diese “Übung” öfter praktiziere, kann ich Angst als einen nach Mustern ablaufenden Prozess immer schneller erkennen und werde immer weniger von ihr überrascht odedr gar überwältigt werden.

Alltag meditativ erleben, heißt, ebenso wie das Erkennen von Angst, die Dinge des Alltags auf eine ganz und gar neue Weise vor mir entstehen zu lassen und den Punkt aufmerksam abzupassen, an dem mir mein Gehirn seine gewohnte Sicht der Dinge anbietet.
Mein Gehirn darf es mir anbieten! Es ist destruktiv, dagegen anzukämpfen, aber ich habe die Freiheit, es nicht in aller Selbstverständlichkeit als einzige Realität anzunehmen. Ich gehe stattdessen immer weiter in meiner Betrachtung und lasse meine Betrachtung sich entwickeln. Die Dinge werden sich in einem ganz neuen Licht zeigen, während ich die Angst vor dem Unbekannten einfach vorbeiziehen lasse.

Grundsatz: Es kann mir nichts passieren!
Ich habe nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Die Existenz, die ich selbst bin, sorgt für mich.
Auch hier gibt es einen entscheidenden Punkt:
Vertrauen!
Wenn ich aufmerksam beobachte und immer wieder die Erfahrung mache, dass meine Ängste nur Erinnerungen sind, die ich mit der Realität verwechsle, dann wird mein Vertrauen in mich selbst wachsen und ich werde immer furchtloser meiner inneren Stimme folgen.

Mein Verstand wird zu einem vollkommenen und zuverlässigen Werkzeug, wenn ich seine Wirkungsweise als Träger von Angst und Garant für Sicherheit erkannt habe.

Gewohnt ist, Verstand als Entscheidungsträger zu akzeptieren. In dieser Rolle spielt er sich als Diktator auf, der mir keine Alternativen lassen will.
Habe ich seine Wirkungsweise durchschaut und folge weiter meiner aufmerksamen Betrachtung, transformiert sich mein Verstand zu einem vollkommenen Werkzeug, das mir bei der Lösung von Problemen immer zu Seite stehen wird.

Spiritualität im Alltag bedeutet, die Dinge vetrauensvoll, liebevoll und neugierig zu betrachten und sie sich vor mir entfalten zu lassen.

Was willst du verändern?

Die Liste der Menschen, welche die Welt verändern wollten, ist lang.
Sie mögen im Interesse menschlichen Glücks gehandelt haben oder auch nur egoistische Ziele verfolgt haben. Was sie auch erreichen wollten, es hat die Landschaft dieser Erde verändert, es hat Veränderungen in Wissenschaft, Technik und Medizin verursacht.
Was sich verändert hat, sind äußere Dinge. Die Menschen selbst haben sich nicht verändert.
Es scheint, dass diejenigen, die verändern wollten, die Menschen selbst nie erreicht haben. Sie haben die Peripherie erreicht, sie haben die Bildfläche verändert, auf der sich alles darstellt.

Kriege werden mit moderneren Waffen ausgefochten, Ausbeutung und Unterdrückung haben ein anderes Gesicht erhalten und sind subtiler geworden, Machtverhältnisse haben sich verschoben, Hunger und Armut sind unverändert Teil des Weltalltages geblieben.

Auf den ersten Blick scheinen Menschen Opfer der Verhältnisse zu sein, die nur verändert werden müssten.
Die Annahme, dass die Veränderung der Verhältnisse auch die Menschen und ihr Leben ändern würde, hat sich niemals bestätigt.
Genau betrachtet sind Menschen diejenigen, die Verhältnisse erschaffen, weil sich ihre Glaubenssätze und Gedanken nach außen manifestieren.
Tiefgreifende Veränderung kommt niemals von außen, sie kommt immer von innen. Die Manifestation wird – im umgekehrten Sinne -  niemals den Erschaffenden verändern. Deshalb sind Gesetze, Ideologien und Religionen sinnlos und sogar schädlich, weil sie eine trügerische Sicherheit suggerieren und das Heil, das sie versprechen, niemals einlösen können.

Warum haben wir so große Erwartungen in die Verbesserung der Verhältnisse gesetzt?

Es liegt daran, dass wir uns – jeder für sich – für  zu schwach und zu unbedeutend halten, um tiefgreifende Veränderungen zu bewirken.
Aus diesem Grunde haben wir Regierungen bestellt und uns einen Gott ausgedacht, die für uns die Welt zu einem Paradies machen sollten.
Auf diese Weise haben wir unsere Verantwortung für uns selbst abgegeben und warten seitdem vergeblich auf unser Paradies.

Wer Verantwortung abgibt, wendet den Blick von sich selbst ab und hört auf aus der eigenen Kraft zu schöpfen.

Tatsächlich ist es so, dass alle Kraft in uns selbst vorhanden ist und alle wirklich wichtigen Fragen aus uns selbst beantwortet werden können.
Es war niemals so, dass ein geistiger oder politischer Führer notwendig gewesen wäre, uns den Weg zu Glück, Frieden und Erfüllung zu zeigen.
Allein die Tatsache, den Blick von uns abzuwenden und Glück, Frieden und Erfüllung im Außen zu suchen, hat uns unser Potential des Erschaffens vergessen lassen.

Es ist der fragmentierende Verstand, der die Illusion der Trennung vom Ganzen bewirkt und dadurch Lähmung durch Angst verursacht.

Wer den Blick nach innen wendet, auf sich selbst fokussiert, still beobachtet, auf die Stimme des Herzens lauscht und für einen Augenblick ganz beiseite schiebt, was jemals gelehrt und versprochen wurde, für den entpuppt sich Trennung und Machtlosigkeit als Illusion.
Dann, in diesem Augenblick, beginnt der Prozess  bewussten Erschaffens.
Bewusstes Erschaffen bedeutet, die Dinge nicht aus Denken und Verstand heraus zu verändern, sondern durch eine Vision, die mit der alles durchdringenden Kraft verbunden ist, von der wir zu keinem Moment des Daseins getrennt waren.

Visionen sind Bilder, die aus Gedanken und Gefühlen bestehen.

Ich habe die Überzeugung, dass solche Visionen ganz eng mit dem Unterbewussten in Beziehung stehen und weit mehr als der Verstand ein kreatives Potential besitzen.

Bewusstes Erschaffen setzt niemals bei anderen an. Die Dinge um uns herum ändern sich auf magische Weise in dem Maße, wie wir uns selbst ändern.

Was willst du verändern?

Die Antwort auf diese Frage ist absolut eindeutig:

Ändern kannst du nur dich selbst und zwar, indem du die Struktur deines Denkens und Handelns untersuchst und sie dir immer und immer wieder bewusst machst! Das ist die einzige Pflicht und Disziplin, der wir nachkommen müssen.

Denken und Handeln werden durch Glaubenssätze und Überzeugungen bestimmt. Sie wurden im Laufe des Lebens erlernt und vielleicht nie hinterfragt. Sind sie als Muster erkannt, die dir immer wieder begegnen, verlieren sie ihre Macht über dich.

Es ist nicht nötig zu kämpfen!

Kämpfen zu müssen ist ein Irrtum, auf den viele nachfolgende Irrtümer aufbauen. Damit ist es auch unsinnig, gegen Glaubenssätze, Überzeugungen oder “die Verhältnisse” anzukämpfen. Kampf bringt Konflikt in dein Leben, er spaltet dich und sein Impuls ist Angst.

Nicht umsonst bauen Diktaturen, Religionen und Demagogien auf die Macht der Angst.

Wer Angst sät, erntet Kontrolle und Macht.

Wie tief Kampf als scheinbare Lösung verwurzelt ist, zeigen viele Statements, die einem überall begegnen:

Der Kampf für den Frieden, der Kampf gegen eine Krankheit, der Kampf um die Liebe, der Kampf für Freiheit, sind Beispiele dafür.

Kampf mag vorübergehend die Symptome von Problemen unterdrücken, aber deren Wurzel erreicht er nicht.

Kampf erzeugt die Probleme selbst, gegen die er dann wieder zu kämpfen beginnt. Es ist ein Teufelskreis, der sich selbst in Gang hält.

Wie aber vollzieht sich Veränderung, wenn nicht durch Kampf?

Wer damit beginnt, seine Überzeugungen und Glaubenssätze zu ergründen, sie aus allen Blickwinkeln betrachtet und sie mit seinem ganzen Wesen durchdringt und klar erkennt, gewinnt dadurch einen Abstand von ihnen. Durchdringung bedeutet nicht Analyse, denn diese basiert auf Dualität, auf Konflikt und Kampf. Durchdringung bedeutet Beobachtung, unverstellte und unverzerrte Betrachtung. Sie ist das Wesen meditativer Erfahrung!

Identifikation und Abhängigkeit beginnen sich in der unverstellten Betrachtung aufzulösen. Dazu gehört sehr viel Mut! Wenn sich Identifikationen und Abhängigkeiten auflösen, entsteht für einen Moment die Angst den Halt zu verlieren. Das ist ein entscheidender Moment! Wer in diesem Moment die Augen wieder verschließt, geht zurück. Wer seine Angst annimmt, ihr offen begegnet, wird die Erfahrung machen, dass auch sie Illusion ist und Vertrauen an ihre Stelle tritt.

Angst anzunehmen ist der Moment, in dem Angst sich augenblicklich in Liebe verwandelt.

Liebe ist die innere Haltung, in der man sich aus dem Kreislauf des Kampfes begibt und seine Ganzheit und Vollkommenheit erkennt. In Liebe zu handeln, ist Handeln aus dem Herzen und niemals falsch.

In der Liebe erhält Veränderung den Ausdruck von Heilung. Diese Heilung beginnt innen und setzt sich nach außen fort. Heilung innen ist Heilung außen.

Dieser Prozess vollzieht sich in der holografischen Struktur des Universums. Was in einem Teil des Ganzen geschieht, geschieht auch im Ganzen.

Überzeugungen und Glaubenssätze sind wie Wolken, die kommen und gehen. Sie gehören zur Peripherie, aber sie berühren niemals das Zentrum. Das Zentrum ist Bewusstheit, in der es keinen Kampf gibt. Ein anderes Wort für Bewusstheit ist Meditation.

Meditation ist Heilung und damit Veränderung aus der Kraft des Herzens.