Alltag und Spiritualität

Alle spirituellen Fragen und Antworten scheinen wenig mit dem Alltag zu tun haben zu wollen. Sie erscheinen wie ein Film, dem man sich für seine Dauer widmet.
Das erscheint so, weil Alltag aus Gedanken, Überzeugungen und Vorstellungen zusammengehalten wird. Spirituelles, Meditation, lässt mich hinter die Kulissen sehen. Dort kann ich meinen gewohnten Alltag nicht mehr erkennen. Der verstandesorientierte Bereich meines Gehirns sucht nach bekannten Verknüpfungen, er versucht sich ein Bild zu machen, was er in Meditation aber nicht kann. Die Verknüpfungen sind nicht vorhanden. Es kommt ein seltsames Gefühl von Erlösung auf, das sich mit dem Gefühl der Unsicherheit vermischt. Das Problem für das Gehirn ist es, Alltag und Spiritualität zusammen zu bringen.

Gewohnt ist, andere Menschen als „Andere“ zu sehen, von denen ich ein Bild gespeichert habe.
Gewohnt ist, mich in einer Rolle innerhalb der Welt zu sehen.
Gewohnt ist, mich mit meiner persönlichen Geschichte zu identifizieren.

Was geschieht, wenn mir Meditation alle Bilder, Rollen und Geschichten nimmt?
Gehirn sucht nach Sicherheit. Ohne Orientierung an Bildern, Rollen und Geschichten kann es diese Sicherheit nicht finden.

Was kann ich tun?
In der Meditation gibt es einen entscheidenden Punkt:
Sobald ich meditativ werde, meldet sich mein Verstand mit Angst. Er fürchtet um seine Kontrolle. Diese Sucht nach Kontrolle ist sein Wesen. Es ist einfach so. Er handelt nur nach seinem Wesen. Er darf das!
Das Entscheidende ist, diesen Punkt nicht zu verpassen!
Gewohnt ist auch hier, der Suche nach Sicherheit und Kontrolle nachzugeben und aufkommenden Gedanken zu folgen, bis die unkontrollierte Situation wieder „rationalisiert“ ist.
Habe ich nachgegeben, ist Meditation für dieses Mal verpasst.
Nutze ich die Möglichkeit, Angst unbeteilgt zu beobachten, kann ich sehen, dass sie ein Prozess ist, der von selbst abläuft und dem ich aber nicht  ausgeliefert sein muss.
Habe ich auf diese Weise Angst als Funktion meines Gehirns erkannt, habe ich innerlich einen großen Schritt in eine für mich neue Welt der Realität getan!
Wenn ich diese „Übung“ öfter praktiziere, kann ich Angst als einen nach Mustern ablaufenden Prozess immer schneller erkennen und werde immer weniger von ihr überrascht odedr gar überwältigt werden.

Alltag meditativ erleben, heißt, ebenso wie das Erkennen von Angst, die Dinge des Alltags auf eine ganz und gar neue Weise vor mir entstehen zu lassen und den Punkt aufmerksam abzupassen, an dem mir mein Gehirn seine gewohnte Sicht der Dinge anbietet.
Mein Gehirn darf es mir anbieten! Es ist destruktiv, dagegen anzukämpfen, aber ich habe die Freiheit, es nicht in aller Selbstverständlichkeit als einzige Realität anzunehmen. Ich gehe stattdessen immer weiter in meiner Betrachtung und lasse meine Betrachtung sich entwickeln. Die Dinge werden sich in einem ganz neuen Licht zeigen, während ich die Angst vor dem Unbekannten einfach vorbeiziehen lasse.

Grundsatz: Es kann mir nichts passieren!
Ich habe nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Die Existenz, die ich selbst bin, sorgt für mich.
Auch hier gibt es einen entscheidenden Punkt:
Vertrauen!
Wenn ich aufmerksam beobachte und immer wieder die Erfahrung mache, dass meine Ängste nur Erinnerungen sind, die ich mit der Realität verwechsle, dann wird mein Vertrauen in mich selbst wachsen und ich werde immer furchtloser meiner inneren Stimme folgen.

Mein Verstand wird zu einem vollkommenen und zuverlässigen Werkzeug, wenn ich seine Wirkungsweise als Träger von Angst und Garant für Sicherheit erkannt habe.

Gewohnt ist, Verstand als Entscheidungsträger zu akzeptieren. In dieser Rolle spielt er sich als Diktator auf, der mir keine Alternativen lassen will.
Habe ich seine Wirkungsweise durchschaut und folge weiter meiner aufmerksamen Betrachtung, transformiert sich mein Verstand zu einem vollkommenen Werkzeug, das mir bei der Lösung von Problemen immer zu Seite stehen wird.

Spiritualität im Alltag bedeutet, die Dinge vetrauensvoll, liebevoll und neugierig zu betrachten und sie sich vor mir entfalten zu lassen.

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