Körperlichkeit als Ausdruck des „Sein“

Dass es das „Ich“ nur als Vorstellung gibt, weiß mittlerweile jeder. Eine Vorstellung ist eine Gedankenform. Wenn das „Ich“ Identifikationen mit Gedanken und Vorstellungen erzeugt, dann beginnt sich die Welt aufzusplittern und „Ich“ illusioniert sich als abgetrenntes Fragment. Das „Ich“ fühlt sich bedroht, fühlt sich allein und unvollständig und ist auf der Suche nach Frieden und Ganzheit.

Die „Ich“-Vorstellung ist ein überaus dichtes Gedankennetz, das alle Bereiche des Lebens durchzieht. „Ich“ identifiziert sich mit allem was es besitzt: Mit seinem Körper, seinen Gedanken, Erfahrungen, mit seinen Emotionen, mit seinem eigenen Wert und seinen dinglichen Habseligkeiten.

Warum konnte die „Ich“-Vorstellung überhaupt entstehen? Ganz zweifellos ist es ein Schachzug der Evolution, um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Körperlichen zu gewährleisten. Gäbe es keine Identifikation mit dem Körperlichen und würde „Ich“ sich nicht als etwas Besonderes empfinden, gäbe es keine Notwendigkeit, auf das Körperliche zu achten und es erhalten zu wollen. Die Evolution strebt nach der Perfektionierung der genetischen Informationen. Evolution allerdings ist lediglich eine Kraft, die ausschließlich auf das Körperliche bezogen ist.

Körperlichkeit ist das Fest oder das Ritual, in denen sich das „Sein“ zum Ausdruck bringt und Evolution kreiert die Ausstattung.

Ein Ritual, das nur noch aus Gewohnheit begangen wird, ist eine leere Handlung. Es ist wie Beten, weil Sonntag ist oder wie Weihnachten, weil der 24. Dezember jedes Jahr auf dem Kalender daran erinnert.

Körperlichkeit ohne die Bedeutung des „Sein“ ist eine Abfolge von Gewohnheiten. Es ist mechanisch, inhaltslos und kalt.

Bewusst-Sein gibt dem Fest der Körperlichkeit einen Inhalt. Nicht das Fest als Handlung ist von Bedeutung, sondern die festliche Stimmung, die zu festlicher Handlung führt.

Körperlichkeit als Ausdrucksform des „Sein“ ist spielerisch, freudvoll und ohne Verkrampfung oder Angst.

Gerät das „Sein“ in Vergessenheit, bleibt die sinnentleerte Hülse des Körpers übrig und folgt nur noch dem evolutionären Überlebenskampf der Dinge und Körper untereinander.

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