Liebe und Angst

Als körperliches Wesen bin ich an die Dualität gebunden: an das Für und Wider, an das Gut und Böse, an Tod und Geburt, Liebe und Angst….
Zwar kann ich der Gegensätzlichkeit der Dualität nicht entfliehen, aber ich kann mich entscheiden, in welche Richtung ich gehen will. Das ist meine Freiheit.  Ich habe die Freiheit der Wahl.

Vor vielen Jahren hatte ich mich der Herausforderung der Gegensätze gestellt, indem ich meine Geburt gewählt hatte.

Mit meiner Geburt in die Körperlichkeit brachte ich – so wie jedes Kind –  die Erinnerung an Körperlosigkeit und Einheit mit, in der es keine Dualität gibt.
Ich hatte es – so wie jedes Kind –  aus Liebe getan, weil es die einzige Form von Bewusstsein war, die ich jemals kannte. Es war mein freier Wille.

Während der Jahre nach meiner Geburt überschüttete mich das Leben mit Erfahrungen, die mich lehrten, was Gegensätze sind.
Aber auch mein neuer Körper erinnerte sich. Offenbar war er gar nicht ganz so neu. Er erinnerte sich an Vergänglichkeit und ließ mich spüren, was Zeit ist. Mein kleiner Körper war tatsächlich ein Archiv aus Erinnerungen Tausender körperlicher Wesen vor mir. Das war faszinierend!

Das Verhalten der Menschen, die schon länger hier waren, deckte sich sehr genau mit dem, an was sich mein neuer, kleiner Körper erinnerte: es war das Gefühl der Angst.

Als körperliches Wesen hatte ich die Angst kennen gelernt. Ich sah die Angst Tag für Tag in den Augen der Erwachsenen und ich erfuhr, wie viele Ausdrucksformen die Angst haben konnte. Sie ließ die Menschen neidisch, eifersüchtig, gierig, herschsüchtig, einsam, egoistisch, traurig und gewalttätig gegen sie selbst und andere sein.
Alle diese Ausdrucksformen fand ich mit der Zeit auch bei mir und ich dachte, dass man ihnen als körperliches Wesen niemals entfliehen könne.

Viele, viele Jahre später sagte mir jemand, dass ich Angst akzeptieren müsse. Sie sei ein untrennbarer Bestandteil menschlicher Existenz.
Die Liebe hätte mich hierher gebracht. Ich sei aus ihr gekommen, aus Einheit, Glückseligkeit, aus Überfluss ohne Mangel, ohne Leid.

Warum aber hätte sie mich hierher in ein Jammertal schicken wollen?

Dieser Jemand sagte mir dann auch, dass ich hier – wie jeder Mensch – eine Aufgabe habe.
Diese Aufgabe sei, mich wieder an mich selbst zu erinnern.
Zwar hätte ich in der Körper- und Zeitlosigkeit vor meiner Geburt in einem Raum existiert, den man allumfassende Liebe nennt, aber diese Liebe brauche – um wirklich bewusst und lebendig zu werden – jemanden, der sich für sie entscheidet!
Wenn man sich entscheiden soll, braucht man Möglichkeiten der Wahl.

Als körperliches Wesen habe ich die Angst als Gegenteil zur Liebe kennen gelernt und kann nun bewusst wählen.
Wähle ich die Liebe, werde ich mich an mich selbst erinnern und den Ausdrucksformen der Angst alle Macht nehmen.

Viele nennen dies ‚Erlösung‘.
Manche nennen es ‚den Himmel auf die Erde bringen‘.

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