Archiv der Kategorie: Meditation

Meditative Sprache

„Achte auf deine Gedanken,

denn sie werden deine Worte.

Achte auf deine Worte,

denn sie werden deine Handlungen…..“

So beschreibt es der Talmud.

Alles Handeln geht auf Gedanken zurück. Auch Emotionen, die letztlich nur über den Körper artikulierte Gedankenformen sind, prägen das Handeln mit.

Durch meine Sprache beeinflusse ich meine Umgebung und bringe gegenüber mir selbst und anderen mein Denken zum Ausdruck.

Es kann eine sehr wirkungsvolle Meditationstechnik sein, auf seine Sprache zu achten, denn sie spiegelt, verändert oder bestätigt mein Denken und dann auch mein Handeln.

Benutze ich Begriffe, die Gewalt ausdrücken, Angst erzeugen oder spalten?  Wenn es so ist, zeige ich mir und anderen, dass meine Aufmerksamkeit von negativen Dingen bestimmt ist. Achte ich darauf und ersetze diese Begriffe durch poitive Worte oder Formulierungen, verändern sich damit auch mein Denken und Handeln. Ich betrachte die Dinge dann aus einer anderen Perspektive und bringe mein Denken dazu, eher etwas Neues zu finden, anstatt mit Altem zu kämpfen.

Das Herz denken lassen

Gedanken, die sich immer wieder aufdrängen und manchmal sogar bis in den Schlaf folgen, sind richtige Quälgeister!

Warum sollte man da nicht auch einmal das Herz als Entscheidungshilfe heranziehen?!

Durch die Beanspruchungen des Alltags bei der Arbeit und im Privatleben, ist man immerzu mit äußeren Dingen beschäftigt und verliert den Kontakt zu sich selbst. Der Kopf arbeitet auf Hochtouren, aber mit ihm stellen sich auch Zweifel ein und man kommt oft zu keinem befriedigendem Ergebnis.

Da ist es gut, wenn man zur Ruhe kommen kann und den Kontakt zu sich selbst wieder findet.

Eine kleine Übung:

Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen inneren Körper. Betrachte und fühle dich von innen und beobachte die Energien, die in dir kursieren. Man kann dabei sehr schön in sich selbst umherwandern – von oben nach unten und wieder zurück. Wichtig ist, an aufkommenden Gedanken nicht hängen zu bleiben. Sie haben jetzt keine Wichtigkeit.

Eine anfängliche, innere Unruhe, legt sich im Laufe der Betrachtung. Dann richte deine Aufmerksamkeit auf dein Herz! Spüre die Energien, die dort sind. Beobachte sie, ohne darüber zu urteilen.

Dann lasse einen Gedanken, der dich sehr beschäftigt, vom Kopf hinunter zu deinem Herzen sinken und warte einfach ab!

Möglicherweise wird es dich überraschen, was dein Herz dir antwortet. Sehr oft wird es dir raten, abzuwarten und zur Ruhe zu kommen, einfach erst einmal genau hier und nur jetzt zu sein. Wenn Tränen kommen wollen, dann lasse sie kommen. Sie werden dich leichter machen.

Das Herz wird in dir viel Vertrauen aufkommen lassen und du wirst es vielleicht genießen können, einen Schritt nach dem anderen zu tun und dabei viel Ruhe finden.

Abnabeln von der Angst

  • Wer Angst hat, sucht nach Halt.
  • Wer Angst hat, kann nicht loslassen.
  • Wer Angst hat, schaut weg.
  • Wer Angst hat, kann nicht lieben.
  • Wer Angst hat, leugnet die Realität.
  • Wer Angst hat, sucht Trost in Ablenkung.

Tatsächlich ist Angst so etwas wie eine Seuche, mit der Menschen schon von Kindheit an infiziert werden.

  • Angst vor dem Alleinsein
  • Angst vor Strafe
  • Angst vor Krankheit
  • Angst vor dem Tod

Die Auswirkungen von Angst werden von Kindheit an als selbstverständlicher Aspekt des Lebens akzeptiert. Es entsteht ein Automatismus, Angst zu ertragen und zu kompensieren und viele erlernen darüber hinaus Fertigkeiten darin, Angst auszulösen und sie als Werkzeug gegen andere zu benutzen.

Natürlich ist Angst ein Teil des Menschseins. Denn Angst ist Resultat des Denkens und Denken ist eben menschlich.

Denken beurteilt nach Für und Wider, es wägt ab und kalkuliert und immer hat eine angestrebte gute Lösung auch ein Gegenteil. Jeder Erfolg wirft den Schatten des möglichen Misserfolgs. Je wichtiger der Erfolg bewertet wird und je mehr daran festgehalten wird, desto stärker wird die Angst vor Misserfolg.

Das Leben, das Göttliche, das Sein geht seinen Weg und kümmert sich nicht um menschliche Gedanken. Sie hinken dem Leben hinterher ohne es jemals zu erreichen. Das Denken verpasst das Leben und seine Göttlichkeit.

In der Lücke zwischen Gedanken gibt es keine Angst und keinen Misserfolg. Im gedankenfreien Raum fließt das Leben mit allen seinen Möglichkeiten, ohne dass Tod jemals eine Rolle spielen würde. Tod existiert nicht einmal. Weder als Möglichkeit, noch als Realität.

Nachhause kommen

Als Gautama Siddharta zum Buddha wurde, hatte er nicht Meditation erfunden, sondern er war zu Meditation geworden. Er hatte seine Augen für das innerste Wesen des Daseins geöffnet, das in jedem Individuum vorhanden ist.

Das innerste Wesen des Daseins ist die Kreativität und Liebe, die diese faszinierende Welt der Formen erschaffen konnte.

Ist es schwer zu verstehen, dass unsere Erde mit allem was sie als „Mutter“ hervorbringt, nur die Ausdrucksform von Kreativität und Liebe ist? Ist es möglich zu sehen, dass der Kampf mit den Dingen lediglich ein irrealer Kampf gegen ein Spiegelbild ist? Der Schritt des Erkennens, dass wir nach Glück und Frieden suchenden Menschen ebenso ein Spiegelbild sind, ist so winzig klein und dennoch erscheint er für unsere Vorstellung nicht zu überbrücken zu sein.

Vielleicht würde Buddha sagen: Du brauchst nur deine Blickrichtung ändern!

Möglicherweise würde er uns raten, nicht die Dinge selbst zu betrachten, sondern den Prozess, der sie verändert, entstehen und vergehen lässt. Betrachtung in dieser Weise ist eine Qualität, die nur das Herz bietet.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“.

Meditation im Alltag ist die Betrachtung meines Tuns, wie ich es tue. Mit welcher Hingabe, Kreativität, Liebe und Freude tue ich es? Weniger das Ergebnis steht für diesen Moment im Vordergrund, sondern meine innere Einstellung.

Bin ich ergebnisorientiert, trenne ich mich von mir selbst und meiner Kraft. das Tun wird zur Arbeit und zur Last.

Das „Göttliche“ hat mit seiner Schöpfung keine Last. Es „handelt“ in Liebe, Kreativität und Freude.

Lächle deinem Körper zu!

Es schafft ein schönes Gefühl und einen liebevollen „inneren Raum“, wenn man sich selbst zulächelt.

Beim Awareness-Walk, dem Meditativen Gehen, werde ich mir meines Körpers bewusst, indem ich seine Bewegungen wahrnehme. Es ist ein Bewegungsablauf, den der Körper vollständig verinnerlicht hat. Ich kann mich in seinen Bewegungen entspannen und dem Bewegungsablauf zulächeln.

Das Lächeln hat eine positive Aussage, wenn auch jeder für sich diese Aussage in seinen eigenen Worten beschreiben wird.

Lass dich nicht hetzen…

Jeder kennt das: Man erlebt Situationen, in denen man in Stress und Hektik gerät. Stress ist die Angst, die Situation nicht bewältigen zu können.

Die meditative Antwort auf solche Situationen ist, sich der Angst bewusst zu werden, die sich als Stress äußert. In unbewusster innerer Haltung identifiziert man sich mit der Angst. Man ist erfüllt davon. Man hat keinen Abstand dazu.

In bewusster, meditativer, innerer Haltung betrachtet man die Angst, als ob sie ein eigenes, selbständiges Wesen sei, das durch einen Impuls von außen aktiv geworden ist. Die bloße Betrachtung dieses „Angstwesens“ schafft inneren Abstand zu ihm.

In unbewusster innerer Haltung fühlt man die Angst erst zu spät, nämlich in seiner eigenen Re-Aktion auf die augenblickliche Stress-Situation: Man gerät in Hektik, fühlt sich bedroht und wehrt ab. Dann hat die Angst gewonnen. Man ist identifiziert.

Der erste meditative Trick ist, den Moment abzupassen, in dem Angst ganz subtil aufzusteigen beginnt.

Der zweite Trick ist, die Angst nicht zu werten, sondern sie vorurteilsfrei und sogar neugierig einfach wahrzunehmen: „Aha, da kommt Angst….“. Ganz besonders wirkungsvoll ist es, dabei innerlich zu lächeln. Diese beiden meditativen Tricks sind die wichtigsten Werkzeuge für Bewusstheit.

Der dritte Trick ist, die in diesem Moment erzeugte Bewusstheit zu nutzen, um seinen Körper zu spüren und ihm zu folgen. Unser Herz, unsere innere Stimme, innere Intelligenz, drückt sich auf direkte Weise durch den Körper aus.

Sind Angst und Stress durch die ersten beiden Tricks abgefangen, wird der Körper in natürlicher und intelligenter Weise auf die augenblickliche Situation reagieren.  Fast immer wird das auf ruhige und souveräne Art geschehen.

Es besteht also kein Grund, sich hetzen zu lassen…

Schau dir einfach zu!

Meditation ist nichts weiter als Aufmerksamkeit für das, was gerade jetzt  geschieht.

Egal wo man ist und was man tut, der innere Beobachter ist der stillste,  aufmerksamste und liebevollste Teil des Selbst. Er nimmt einfach wahr. Er lässt sich nicht von Gedanken oder Gefühlen aufhalten oder binden, sondern geht tiefer und tiefer. Er ist immer gleichmütig mit der Stille verbunden und beobachtet alles Treiben, als seien es Wolken,  die vorüberziehen. Er nimmt es an mit offenen Händen, ohne Angst und ohne Abwehr. Er liebt.

Der innere Beobachter weiß, dass er nicht seine Gedanken ist. Er weiß auch, dass er nicht die Handlungen und Gewohnheiten des Körpers ist.

Große Dankbarkeit und Ehrfurcht bei der Beobachtung des Körpers  kommen auf! So Vieles erledigt er selbständig. Gelehrig ist er und weise durch das Wissen und die Erfahrungen Tausender von Generationen vor ihm! Schon alleine den wiederkehrenden Mustern und Reaktionen des Körpers aufmerksam zu folgen, ist ein Schauspiel ohne Gleichen.

Bleibt das Bewusstsein beharrlich in der Stille, wird der Automatismus des alltäglichen Tuns offensichtlich und der Anteil des Tuns aus freiem Willen erscheint verschwindend gering!

In der Meditation werden Automatismen bewusst und mit der Zeit verschwinden sehr viele davon, weil sie überflüssig sind. Das Leben beruhigt sich.

In der Meditation entwickeln sich innere und äußere Ruhe und Dankbarkeit und Staunen kehren zurück.

Schau dir einfach zu! Mehr ist nicht nötig.

Die Kinder der Stille

Wenn innere Stille für Momente bewusst wird, gelingt es fast immer, für eben diese Momente die Kinder der Stille kennen zu lernen:

Ein unerwarteter Frieden breitet sich aus. Bedingungslose Freude wird spürbar und eine weiche, liebevolle Stimmung kommt auf.

In diesen Momenten ist der Verstand nicht aktiv und deshalb sind Momente der Stille frei von Angst, Urteil und Zweifel.

Aus der Stille, die gleichbedeutend mit der Erfahrung des allerinnersten Selbst ist, steigt eine Intelligenz auf, die nicht die des Verstandes ist. Es ist die Intelligenz des Herzens.

Dein Körper ist ein Tempel

Du bist nicht dein Körper. Du bist nicht deine Gedanken und nicht deine Erinnerungen. 


All das sind Werkzeuge, Hilfsmittel, die dir behilflich sind, deinen Alltag zu organisieren und dich in der materiellen Welt zurechtzufinden.

Dein Körper ist ein Vehikel, ein wundervolles Werkzeug.
Er ist das Ergebnis aus den Erfahrungen und Wünschen von Tausenden von Generationen vor dir! Du darfst all das nutzen. Alle Erfahrungen und Geschichten deiner Ahnen sind in deinem Körper gespeichert. Du kannst in ihm lesen, wie in einem Geschichtsbuch.

Nur ein ganz, ganz winziger Teil dieses Körpers stammt von dir.
Es ist die oberste, dünne Schicht – deine individuelle Geschichte deines jetzigen körperlichen Lebens.

Wenn du meditativ bist und zum Beobachter deines Körpers  wirst, kannst du die Weisheit und den Erfahrungsschatz erfühlen, den er in deine Welt mitgebracht hat.

Beobachte deine Bewegungen, wie sicher dein Körper sie beherrscht. Erfreue dich an der Anmut und Schönheit.
Du kannst staunen, wenn dir bewusst wird, was dein Körper alles für dich tut, ohne dass du auch nur einen Augenblick darüber nachdenken musst!
Dein Kreislauf, deine Atmung, deine ganze Biochemie, sein Wachstum, seine Fähigkeit, sich an die widrigsten Umstände anzupassen!!
Es ist ein absolutes Wunder.

Du bewohnst diesen Körper und es ist eine Gnade, ein Geschenk der Liebe, das du erhalten hast.
Lausche auf das, was dir dein Körper erzählt, sei aufmerksam!
Er hat seine eigene Sprache, die du nur verstehen kannst, wenn du sehr aufmerksam bist. Es ist die Sprache Gottes.

Geh ein paar Schritte und versenke dich in Andacht in deinem ganz persönlichen Tempel.
Irgendwann wird Gott ganz direkt und unmissverständlich zu dir sprechen!

Die Verwirrung um Traum und Wirklichkeit

Träume sind die Schminke und die Kleider für die nackte Wirklichkeit. Kleider und Schminke können sich ändern, sie können kaschieren und täuschen.

Nackte Wirklichkeit ist wie sie ist – ohne zusätzliche Schnörkel, ohne Möglichkeit zur Beschönigung, ohne Betonung oder Zensur.

Weil Wirklichkeit so absolut und total ist, macht sie Angst. Der Traum ist entweder ein Notausgang für die Ängstlichen oder er ist der kindlich verspielte Schmuck der Furchtlosen.

Die Tatsache, dass Traum jederzeit möglich ist, macht ihn verehrungswürdig göttlich. Er ist das Spielen im bunten, inneren Spielzimmer, in dem sich Myriaden von möglichen Wirklichkeiten eine Kinderstube teilen.

Träume sind zarte Knospen, in denen die unerschöpfliche Lebenskraft zauberhaft erblühender Wirklichkeit enthalten ist.

Wenn Träume erwachsen werden, dann nennt man sie Wirklichkeit.

Innere Meditationsräume

Wer mit Meditation beginnt oder daran gewöhnt ist, einen festen Platz für seine Meditationsübungen zu haben, dem wird es wahrscheinlich zunächst schwer fallen, Meditation in seinen Alltag einzuladen.

Im Alltag meditativ zu sein bedeutet, möglichst viele Tätigkeiten während des Tages, in bedingungsloser Wachsamkeit und absoluter Präsenz im Augenblick auszuführen.

Mir gelingt das bisher immer nur für kurze Phasen und bei Tätigkeiten, die nicht viel Nachdenken und Planen erfordern: Abspülen, Zähneputzen, Gehen, Warten, Aufräumen, Putzen, Blumen gießen und weitere ähnliche Tätigkeiten.

Es macht wenig Sinn, eine durchgehende Meditationsphase über mehere Tätigkeiten zu erwarten. Besser ist es – nach eigener Erfahrung – für passende Tätigkeiten jeweils zeitweilige innere Meditationsräume zu schaffen. Das können wenige Minuten des Abspülens sein, ein oder zwei Handgriffe beim Aufräumen, ein ganz kurzer Augenblick des Wartens. Danach darf die Übung beendet sein.

Entscheidend ist für jede dieser Phasen, ist eine kurze Vorbereitung in Form einer Affirmation:

„Ich bin. Jetzt. Es existiert nichts als dieser Augenblick. Die ganze Welt besteht nur aus diesem kurzen Augenblick. Es existiert nichts als das, was ich jetzt tue.“

In diesem Sinne kann man es für sich formulieren.

Innerer Meditationsraum bedeutet also, sich auf eine kurze Phase der Meditation einzustimmen.

Meine eigene Erfahrung dabei ist, dass Geräusche angenehmer werden, Dinge und Lebewesen liebevoller und andächtiger behandelt werden, Liebe aufkommt, Formen interessanter werden und neue Details entdeckt werden und sich eine unbeschreiblich schöne innere Ruhe ausbreitet.

Alleinsein

Ich erinnere mich, dass der Begriff Alleinsein einen ähnlich negativen Beigeschmack wie der Begriff Einsamkeit erzeugt.
Ganz klar sind beide Begriffe in ihrer tiefsten Bedeutung völlig unterschiedlich.
Während Einsamkeit ein Gefühl der Abgetrenntheit und des Verlassenseins ausdrückt, ist Alleinsein eine Bezeichnung für die natürlichste Form des Daseins.
Mit ein wenig Wortspielerei kann man den Begriff zu All-Ein-Sein verändern.
Ja, alles ist eins, will der Begriff begreifen lassen.
Schließlich ist es nur ein Trick des Gehirns, der die Empfindung des Abgetrenntseins vom Ganzen erzeugt.

In tiefer Meditation sind alle Formen, ob niederschwingend materiell oder höherschwingend feinstofflich wie Gedanken, sich wandelnde und vergängliche Erscheinungen der Stille und Leere, die sich auf der Leinwand des Bewusstseins abbilden.

In der Tiefe des Herzens, wo unschuldiges Wissen vom Anbeginn aller Zeiten darauf wartet, erkannt und gelebt zu werden, existieren nur Verbundensein und Einheit.
Der Gegenspieler dieses Wissens ist die Illusion vom Abgetrenntsein, die das Gehirn sehr glaubhaft erzeugt.

Alltag und Spiritualität

Alle spirituellen Fragen und Antworten scheinen wenig mit dem Alltag zu tun haben zu wollen. Sie erscheinen wie ein Film, dem man sich für seine Dauer widmet.
Das erscheint so, weil Alltag aus Gedanken, Überzeugungen und Vorstellungen zusammengehalten wird. Spirituelles, Meditation, lässt mich hinter die Kulissen sehen. Dort kann ich meinen gewohnten Alltag nicht mehr erkennen. Der verstandesorientierte Bereich meines Gehirns sucht nach bekannten Verknüpfungen, er versucht sich ein Bild zu machen, was er in Meditation aber nicht kann. Die Verknüpfungen sind nicht vorhanden. Es kommt ein seltsames Gefühl von Erlösung auf, das sich mit dem Gefühl der Unsicherheit vermischt. Das Problem für das Gehirn ist es, Alltag und Spiritualität zusammen zu bringen.

Gewohnt ist, andere Menschen als „Andere“ zu sehen, von denen ich ein Bild gespeichert habe.
Gewohnt ist, mich in einer Rolle innerhalb der Welt zu sehen.
Gewohnt ist, mich mit meiner persönlichen Geschichte zu identifizieren.

Was geschieht, wenn mir Meditation alle Bilder, Rollen und Geschichten nimmt?
Gehirn sucht nach Sicherheit. Ohne Orientierung an Bildern, Rollen und Geschichten kann es diese Sicherheit nicht finden.

Was kann ich tun?
In der Meditation gibt es einen entscheidenden Punkt:
Sobald ich meditativ werde, meldet sich mein Verstand mit Angst. Er fürchtet um seine Kontrolle. Diese Sucht nach Kontrolle ist sein Wesen. Es ist einfach so. Er handelt nur nach seinem Wesen. Er darf das!
Das Entscheidende ist, diesen Punkt nicht zu verpassen!
Gewohnt ist auch hier, der Suche nach Sicherheit und Kontrolle nachzugeben und aufkommenden Gedanken zu folgen, bis die unkontrollierte Situation wieder „rationalisiert“ ist.
Habe ich nachgegeben, ist Meditation für dieses Mal verpasst.
Nutze ich die Möglichkeit, Angst unbeteilgt zu beobachten, kann ich sehen, dass sie ein Prozess ist, der von selbst abläuft und dem ich aber nicht  ausgeliefert sein muss.
Habe ich auf diese Weise Angst als Funktion meines Gehirns erkannt, habe ich innerlich einen großen Schritt in eine für mich neue Welt der Realität getan!
Wenn ich diese „Übung“ öfter praktiziere, kann ich Angst als einen nach Mustern ablaufenden Prozess immer schneller erkennen und werde immer weniger von ihr überrascht odedr gar überwältigt werden.

Alltag meditativ erleben, heißt, ebenso wie das Erkennen von Angst, die Dinge des Alltags auf eine ganz und gar neue Weise vor mir entstehen zu lassen und den Punkt aufmerksam abzupassen, an dem mir mein Gehirn seine gewohnte Sicht der Dinge anbietet.
Mein Gehirn darf es mir anbieten! Es ist destruktiv, dagegen anzukämpfen, aber ich habe die Freiheit, es nicht in aller Selbstverständlichkeit als einzige Realität anzunehmen. Ich gehe stattdessen immer weiter in meiner Betrachtung und lasse meine Betrachtung sich entwickeln. Die Dinge werden sich in einem ganz neuen Licht zeigen, während ich die Angst vor dem Unbekannten einfach vorbeiziehen lasse.

Grundsatz: Es kann mir nichts passieren!
Ich habe nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Die Existenz, die ich selbst bin, sorgt für mich.
Auch hier gibt es einen entscheidenden Punkt:
Vertrauen!
Wenn ich aufmerksam beobachte und immer wieder die Erfahrung mache, dass meine Ängste nur Erinnerungen sind, die ich mit der Realität verwechsle, dann wird mein Vertrauen in mich selbst wachsen und ich werde immer furchtloser meiner inneren Stimme folgen.

Mein Verstand wird zu einem vollkommenen und zuverlässigen Werkzeug, wenn ich seine Wirkungsweise als Träger von Angst und Garant für Sicherheit erkannt habe.

Gewohnt ist, Verstand als Entscheidungsträger zu akzeptieren. In dieser Rolle spielt er sich als Diktator auf, der mir keine Alternativen lassen will.
Habe ich seine Wirkungsweise durchschaut und folge weiter meiner aufmerksamen Betrachtung, transformiert sich mein Verstand zu einem vollkommenen Werkzeug, das mir bei der Lösung von Problemen immer zu Seite stehen wird.

Spiritualität im Alltag bedeutet, die Dinge vetrauensvoll, liebevoll und neugierig zu betrachten und sie sich vor mir entfalten zu lassen.

Die Revolution des Geistes

Ein Diskurs von Jiddu Krishnamurti:

Es ist enorm wichtig, eine radikale Revolution im menschlichen Geist herbeizuführen. Unsere Krise ist eine Krise im Bewusstsein. Es ist eine Krise, die keine der alten Normen, Verhaltensmuster und Traditionen mehr akzeptieren kann.

Wenn wir die Welt betrachten, wie sie jetzt ist, mit all ihrem Leid, ihren Konflikten, ihrer Brutalität, ihrer Aggression und so weiter, dann sehen wir, dass der Mensch sich nicht verändert hat. Er ist noch immer brutal, gewalttätig, aggressiv, wetteifernd, habgierig und gewinnsüchtig. Er hat eine Gesellschaft auf dieser Basis aufgebaut  […]  Es ist wichtig, den Geist zu transformieren und keine der bestehenden Verhältnisse als unabänderlich zu akzeptieren, sondern diese zu verstehen, sie zu durchdringen, zu untersuchen und mit all seinem Verstand und von ganzem Herzen zu verstehen. Mit allem, was dir zur Verfügung steht, musst du herausfinden, welchen anderen Weg es geben kann.

Aber das hängt alleine von dir ab und von niemand anderem. Denn diesbezüglich gibt weder Lehrer noch Schüler! Dafür existiert kein Anführer, kein Guru, kein Meister und kein Retter.

Du selbst bist der Meister, der Führer und Guru. Du bist dein eigener Retter! Du bist Alles!

Dies zu verstehen, bedeutet, die bestehenden Verhältnisse zu verwandeln!!

(Sinngemäße Übersetzung des Video-Wortlautes durch Micha Vimal Prarthi)

Geh-Meditation mit Thich Nhat Hanh

Thich Nhat Hanh wurde 1926 in Zentral Vietnam geboren und trat im Alter von 16 Jahren als Novize in den Tu-Hieu Tempel in Hue ein. Schon als junger Mönch wurde er ein führender Vertreter des sozial engagierten Buddhismus in seinem vom Krieg erschütterten Heimatland und er setzte sich weltweit für Frieden und Gewaltfreiheit ein. Seit 1966 lebt er in Frankreich im Exil, wo er eine spirituelle Gemeinschaft in der Nähe von Bordeaux gründete, die unter dem Namen „Plum Village“ bekannt geworden ist.

Gehmeditation mit Thich Nhat Hanh:

Geh-Meditation ist eine Übung, während des Gehens meditativ zu sein. Du kannst friedvoll und glücklich sein, während du übst.
Gehe und stelle dir vor, du seist der glücklichste Mensch der Welt.
Wenn du das kannst, wird dir Geh-Meditation gelingen.
Für diese Meditation musst du kein bestimmtes Ziel vor Augen haben. Daher besteht kein Grund, dich zu beeilen. Das Gehen ist Selbstzweck.
Es ist wichtig, dass jeder Schritt, den du tust, dich friedvoll und glücklich stimmt.
Jeder Schritt bringt dich dabei ins Jetzt, in den einzigen Moment, in dem du tatsächlich lebst.
Vermeide es, Sorgen und Ängste in deine Schritte zu geben, sondern gib ihnen Gelassenheit, Glück und Frieden mit.
Es wird dir möglich sein, das zu tun. Triff Vorsorge, dass du es wirklich willst.
Wenn Schritte nicht von Glück und Frieden getragen sind, würdest du mit erwachten Augen die Sorgen, die Angst und Beklemmung dessen sehen können, der seine Spuren hinterließ.

Lerne es, Schritte zu tun, in denen statt Spuren von Furcht oder Beklemmung, nur Frieden und Freude enthalten sind.