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Die kopflose himmlische Liebe

Versucht man, sich die Reinform von Liebe vorzustellen, erinnert man sich vielleicht an Begebenheiten und Szenarien, bei denen sie im Spiel war. Sie selbst, in ihrer Reinform, hat kein eindeutiges Gesicht, keine Form und ist keiner bestimmten Persönlichkeitsstruktur zuzuordnen.
Insofern könnte die Liebe die Gattin Gottes sein, der ebenso im Unsichtbaren agiert und seine Kreationen lediglich als Spur seiner Existenz hinterlässt.

Was die Liebe angeht, so ist es erstaunlich, dass sie selbst denjenigen gewogen ist und diese unterstützt und pflegt, die menschlicher Beurteilung nach Schlechtes und Liebloses tun.

Ist sie von den Wesen auf dieser Erde so verschieden, dass sie sich für menschliches Empfinden so widersprüchlich verhält?

Ganz ohne Zweifel ist die Liebe sehr intelligent. Sie weiß, dass es nichts Böses gibt, sondern dass es nur Verirrungen sind, die geschehen können, wenn sie selbst – die Liebe – aus dem Blickfeld geraten ist.

Die Liebe weiß, dass sogenanntes Böses nur von ängstlichem Denken erdacht und von diesem Denken in eine Form gebracht und als wahr angenommen wird.
Insofern scheint düsteres Licht auf menschliches Denken, das offenbar alles das zu erzeugen imstande ist, was die Liebe nicht ist.

Es scheint, dass Denken anfällig dafür ist, das Gegenteil von Liebe zu erzeugen.
Als Gegenteil der Liebe bezeichnet man die Angst, die, ebenfalls wie die Liebe, selbst kein Gesicht besitzt. Sie zeigt sich in ihren Manifestationen wie der Gier, der Gleichgültigkeit, dem Misstrauen, der Trennung, der Ablehnung, der Anklage und der Verurteilung.

Weiter betrachtet, scheint menschliches Denken überhaupt erst die Voraussetzung für die Existenz und das Erkennen von unvereinbaren Gegensätzen zu sein, die sich im Augenblick der Liebe aber wieder zur Einheit vereinen, als seien sie nie getrennt gewesen.

Blendet Liebe das Unvereinbare und das Böse aus? Ist sie kopflos und naiv?
Oder ist sie die verborgene himmlische Wahrheit im Schatten der Dämonen menschlicher Gedanken?

Menschliches Denken kann nicht anders, als sich in Gegensätzen zu verlieren, denn es ist ein Werkzeug in der unvermeidlich gegensätzlichen Welt der Materie, die als eine Facette von vielen des Daseins im angstvollen Kampf mit der Vergänglichkeit und um Überleben verstrickt ist.

Was ist die Alchemie der Liebe, die es versteht, Gegensätze zu einem Ganzen zu vereinen?
Wo ist ihre himmlisch vereinte Welt, während sich die menschliche Welt in Gegensätzen und Trennungen verliert?

Die Buddhas der Menschheitsgeschichte hatten die Alchemie der Liebe verstanden und sie hatten erkannt, dass die menschliche Welt der Gegensätze lediglich der Schein einer vom Denken projizierten Betrachtungsweise ist, auf die sich Menschen in kollektivem Irrtum als Wahrheit verständigten.

Ist die Welt der Liebe die eigentliche Wahrheit, die hinter einer Maske der Täuschungen und Irrtümer verborgen ist? Sind Vergebung, bedingungsloses Annehmen, sorgsame Pflege, Geben ohne Erwartung, Mitgefühl, Verständnis, Ausgleich, die Erkenntnis des Einsseins, das Sein im Jetzt, das Nähren innerer und äußerer Schönheit – die in tiefstem inneren und äußeren Frieden Ausdruck finden – das eigentliche Muster der Wirklichkeit?

Ist die menschliche Welt des Kampfes, der Rache, der Missgunst, das Hadern mit Vergangenem und die Sorge um das Zukünftige ein über die Jahrtausende zu Stein gewordenes Trugbild?

Was hält den Denker davon ab, seine Betrachtungsweise zu verändern?
Es ist die Angst vor der Vergänglichkeit, vor Verlust und vor Niederlage, die den menschlichen Urvätern um des Überlebens einer fragilen Art Willen eingepflanzt wurde und die sich bis zum heutigen Tag unbeachtet über die Generationen im Denken erhalten hat.

Angst und Denken sind Teile, die sich gegenseitig suchen und voneinander abhängig sind. Beides sind sie Teile, denen das Festhalten gemein ist.
Ein Attribut der Liebe ist das Loslassen, das aber nur geschehen kann, wenn die angstbesetzten, unterbewussten Muster menschlichen Denkens die Oberhand verlieren.

„Das Universum fährt Rad…“

…oder: das Universum geht zu Fuß.
Oder: Das Universum wischt den Boden.
Oder: Das Universum atmet.

Es gäbe endlos viele, ähnliche Beispiele.

Zen-Meister haben solche Beispiele angeführt, aber ich hatte sie nie „verstanden“. Sie waren zu lapidar, zu wenig kompliziert, um eine verborgene Weisheit zu beinhalten.

Wenn sich im Alltag Gelegenheiten bieten, mit einem alltäglichen, vertrauten Tun Meditation einzuladen, kann es immer öfter passieren, dass der Körper mit all seinen Funktionen und Helfern die ganze Arbeit für mich übernimmt und ein unbeteiligter Beobachter zurückbleibt, der über die Leichtigkeit der Arbeit aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Wer „fährt da Rad“, wer „atmet“? Wer lässt die Blüten der Blumen sprießen, wer lässt das Herz schlagen, wer hält die Planeten auf seinen Bahnen?

Diese Instanz, nach der ich hier mit einem „wer“ frage, ist überall vorhanden – vom Molekül, über Galaxien, bis hin zu komplexen biologischen Systemen.

Nein, „ich“ bin es nicht, der „Rad fährt“. Auch bin „ich“ nicht der, der das Herz schlagen lässt und „ich“ bin nicht der, der atmet.

„ES“ tut alles das und der unbeteiligte Beobachter ist „ES“, das sich bei seinem Tun selbst erfährt.

Eine meditative Erfahrung ist die Erfahrung von Göttlichkeit und sie ist das Gewöhnlichste und zugleich Machtvollste, was erfahren werden kann.

Liebe und Angst

Als körperliches Wesen bin ich an die Dualität gebunden: an das Für und Wider, an das Gut und Böse, an Tod und Geburt, Liebe und Angst….
Zwar kann ich der Gegensätzlichkeit der Dualität nicht entfliehen, aber ich kann mich entscheiden, in welche Richtung ich gehen will. Das ist meine Freiheit.  Ich habe die Freiheit der Wahl.

Vor vielen Jahren hatte ich mich der Herausforderung der Gegensätze gestellt, indem ich meine Geburt gewählt hatte.

Mit meiner Geburt in die Körperlichkeit brachte ich – so wie jedes Kind –  die Erinnerung an Körperlosigkeit und Einheit mit, in der es keine Dualität gibt.
Ich hatte es – so wie jedes Kind –  aus Liebe getan, weil es die einzige Form von Bewusstsein war, die ich jemals kannte. Es war mein freier Wille.

Während der Jahre nach meiner Geburt überschüttete mich das Leben mit Erfahrungen, die mich lehrten, was Gegensätze sind.
Aber auch mein neuer Körper erinnerte sich. Offenbar war er gar nicht ganz so neu. Er erinnerte sich an Vergänglichkeit und ließ mich spüren, was Zeit ist. Mein kleiner Körper war tatsächlich ein Archiv aus Erinnerungen Tausender körperlicher Wesen vor mir. Das war faszinierend!

Das Verhalten der Menschen, die schon länger hier waren, deckte sich sehr genau mit dem, an was sich mein neuer, kleiner Körper erinnerte: es war das Gefühl der Angst.

Als körperliches Wesen hatte ich die Angst kennen gelernt. Ich sah die Angst Tag für Tag in den Augen der Erwachsenen und ich erfuhr, wie viele Ausdrucksformen die Angst haben konnte. Sie ließ die Menschen neidisch, eifersüchtig, gierig, herschsüchtig, einsam, egoistisch, traurig und gewalttätig gegen sie selbst und andere sein.
Alle diese Ausdrucksformen fand ich mit der Zeit auch bei mir und ich dachte, dass man ihnen als körperliches Wesen niemals entfliehen könne.

Viele, viele Jahre später sagte mir jemand, dass ich Angst akzeptieren müsse. Sie sei ein untrennbarer Bestandteil menschlicher Existenz.
Die Liebe hätte mich hierher gebracht. Ich sei aus ihr gekommen, aus Einheit, Glückseligkeit, aus Überfluss ohne Mangel, ohne Leid.

Warum aber hätte sie mich hierher in ein Jammertal schicken wollen?

Dieser Jemand sagte mir dann auch, dass ich hier – wie jeder Mensch – eine Aufgabe habe.
Diese Aufgabe sei, mich wieder an mich selbst zu erinnern.
Zwar hätte ich in der Körper- und Zeitlosigkeit vor meiner Geburt in einem Raum existiert, den man allumfassende Liebe nennt, aber diese Liebe brauche – um wirklich bewusst und lebendig zu werden – jemanden, der sich für sie entscheidet!
Wenn man sich entscheiden soll, braucht man Möglichkeiten der Wahl.

Als körperliches Wesen habe ich die Angst als Gegenteil zur Liebe kennen gelernt und kann nun bewusst wählen.
Wähle ich die Liebe, werde ich mich an mich selbst erinnern und den Ausdrucksformen der Angst alle Macht nehmen.

Viele nennen dies ‚Erlösung‘.
Manche nennen es ‚den Himmel auf die Erde bringen‘.

Essenz und Intelligenz

Zweifellos ist Gaia, unsere Erde, ein Wesen von großer Intelligenz und alle ihre Kinder sind Erben dieser kosmischen Intelligenz.

Intelligenz ist ja schließlich kein Potential, über das nur der Mensch verfügt. Einzigartig ist am Menschen nur, dass ihm Intelligenz im Zusammenhang mit Denken bewusst wird.

Betrachtet man Lebewesen in Bezug auf ihre Eigenschaften und Fähigkeiten, darf man durchaus einen kreativen und intelligenten Schöpfergeist dahinter vermuten, der seine Schöpfungen ohne Computer und Technikerwissen zur Welt brachte.

Sicher kann man sagen, dass Intelligenz die Essenz des Lebens ist, und dass sie nicht nur im Prozess des Denkens zum Ausdruck kommt, sondern sich im freien Fluss des Lebens auf freudvolle Weise zeigt. Liebe ist der freie und freudvolle Fluss des Lebens. Er ist die Bejahung dessen was ist ohne zu bewerten oder zu trennen oder zu spalten. Die Essenz des Lebens ist das Angebot immer neuer Chancen und Möglichkeiten ohne sich von Altem abzuwenden, sondern es ist die Zuwendung zum Neuen.

Liebe ist auf diese Weise spielerisch und unernst, sorglos und unerschütterlich vertrauensvoll.

Essenz und Intelligenz beobachtet man ganz besonders bei Kindern, die auf spielerische Weise ihre Welt erkunden, bis sie von ihren Eltern mit der Welt der Sorgen und Zweifel konfrontiert werden.

Das Herz denken lassen

Gedanken, die sich immer wieder aufdrängen und manchmal sogar bis in den Schlaf folgen, sind richtige Quälgeister!

Warum sollte man da nicht auch einmal das Herz als Entscheidungshilfe heranziehen?!

Durch die Beanspruchungen des Alltags bei der Arbeit und im Privatleben, ist man immerzu mit äußeren Dingen beschäftigt und verliert den Kontakt zu sich selbst. Der Kopf arbeitet auf Hochtouren, aber mit ihm stellen sich auch Zweifel ein und man kommt oft zu keinem befriedigendem Ergebnis.

Da ist es gut, wenn man zur Ruhe kommen kann und den Kontakt zu sich selbst wieder findet.

Eine kleine Übung:

Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen inneren Körper. Betrachte und fühle dich von innen und beobachte die Energien, die in dir kursieren. Man kann dabei sehr schön in sich selbst umherwandern – von oben nach unten und wieder zurück. Wichtig ist, an aufkommenden Gedanken nicht hängen zu bleiben. Sie haben jetzt keine Wichtigkeit.

Eine anfängliche, innere Unruhe, legt sich im Laufe der Betrachtung. Dann richte deine Aufmerksamkeit auf dein Herz! Spüre die Energien, die dort sind. Beobachte sie, ohne darüber zu urteilen.

Dann lasse einen Gedanken, der dich sehr beschäftigt, vom Kopf hinunter zu deinem Herzen sinken und warte einfach ab!

Möglicherweise wird es dich überraschen, was dein Herz dir antwortet. Sehr oft wird es dir raten, abzuwarten und zur Ruhe zu kommen, einfach erst einmal genau hier und nur jetzt zu sein. Wenn Tränen kommen wollen, dann lasse sie kommen. Sie werden dich leichter machen.

Das Herz wird in dir viel Vertrauen aufkommen lassen und du wirst es vielleicht genießen können, einen Schritt nach dem anderen zu tun und dabei viel Ruhe finden.

Abnabeln von der Angst

  • Wer Angst hat, sucht nach Halt.
  • Wer Angst hat, kann nicht loslassen.
  • Wer Angst hat, schaut weg.
  • Wer Angst hat, kann nicht lieben.
  • Wer Angst hat, leugnet die Realität.
  • Wer Angst hat, sucht Trost in Ablenkung.

Tatsächlich ist Angst so etwas wie eine Seuche, mit der Menschen schon von Kindheit an infiziert werden.

  • Angst vor dem Alleinsein
  • Angst vor Strafe
  • Angst vor Krankheit
  • Angst vor dem Tod

Die Auswirkungen von Angst werden von Kindheit an als selbstverständlicher Aspekt des Lebens akzeptiert. Es entsteht ein Automatismus, Angst zu ertragen und zu kompensieren und viele erlernen darüber hinaus Fertigkeiten darin, Angst auszulösen und sie als Werkzeug gegen andere zu benutzen.

Natürlich ist Angst ein Teil des Menschseins. Denn Angst ist Resultat des Denkens und Denken ist eben menschlich.

Denken beurteilt nach Für und Wider, es wägt ab und kalkuliert und immer hat eine angestrebte gute Lösung auch ein Gegenteil. Jeder Erfolg wirft den Schatten des möglichen Misserfolgs. Je wichtiger der Erfolg bewertet wird und je mehr daran festgehalten wird, desto stärker wird die Angst vor Misserfolg.

Das Leben, das Göttliche, das Sein geht seinen Weg und kümmert sich nicht um menschliche Gedanken. Sie hinken dem Leben hinterher ohne es jemals zu erreichen. Das Denken verpasst das Leben und seine Göttlichkeit.

In der Lücke zwischen Gedanken gibt es keine Angst und keinen Misserfolg. Im gedankenfreien Raum fließt das Leben mit allen seinen Möglichkeiten, ohne dass Tod jemals eine Rolle spielen würde. Tod existiert nicht einmal. Weder als Möglichkeit, noch als Realität.

Wie innen so außen?

Die Antwort auf diese Frage, ob das Innere dem Äußeren entspricht, dürfte keine Zweifel aufwerfen. Oder doch?

Vergleicht man beispielsweise die Organisation menschlicher Gesellschaften mit der Struktur eines menschlichen Körpers, findet man bereits ein Indiz für die Entsprechung von Innen und Außen.

Die Menschen einer Volksgemeinschaft entsprechen den Zellen des Körpers. Die Organe des Körpers sind spezialisierte Zellverbände, die spezialisierten Firmen oder Organisationen entsprechen. Die Zellen des Gehirns sind die Zentrale, die einer Regierung entspricht.

In einem gesunden Körper kennt und erfüllt jede Zelle ihre Aufgabe. Sie tut es zum Wohle der Zellgemeinschaft und letztlich dadurch auch für sich selbst, weil ihr eigenes Überleben und ihre Entwicklung von der Gesundheit der Gemeinschaft abhängt.

Sowohl in Gesellschaften, als auch in der Zellgemeinschaft eines Körpers, gibt es Individuen, die vom Prinzip der Kooperation abweichen und eigene Systeme bilden. Sie profitieren dabei von der Kraft der gesunden Mitglieder, werden immer stärker und größer und schwächen die Gemeinschaft und bringen sie sogar zu Tode.

Befällt es den Körper, nennt man es Krebs. Befällt es eine Gesellschaft, nennt man es vielleicht Korruption, Dekadenz, Profitsucht, Machtgier oder anders.

Noch offensichtlicher ist die Entsprechung, wenn man die Organisation eines Ameisenstaates betrachtet. Er funktioniert praktisch wie ein einziger Körper.

Vielleicht könnte man einer Körperzelle die Frage stellen, was sie unter „Selbstverwirklichung“ versteht oder was sie unter Glück versteht. Ich vermute nicht, dass eine (egoistische) Krebszelle glücklich ist. Glückliche Zellen leben und arbeiten für einen gesunden und glücklichen Körper, weil sie sich als „der Körper“ verstehen.

Vielleicht würde eine Zelle antworten: „Alle  Zellen mögen glücklich sein!“

Als Mensch würde man sagen: „Alle Wesen mögen glücklich sein!“ und „mit meinem Blick auf eine gesunde und glückliche Gemeinschaft der Wesen, entsteht als bedingungslose Begleiterscheinung mein eigenes Glück.“