Meditation verändert den Blick (2)

Viele, die häufig Meditationstechniken anwenden, werden feststellen, dass sich im Laufe der Zeit ihre eigenen Wertvorstellungen verändern.

Was ist mir wichtig? Was erscheint mir erstrebenswert? Was erscheint mir überflüssig?

Viele, die häufig Meditationstechniken anwenden, werden ebenso festgestellt haben, dass sich danach ihr Ego heftig gegen diese beginnenden Veränderungen zur Wehr setzt.

Wofür habe „ich“ in meinem Leben bisher so viel Zeit und Energie investiert? War das alles falsch? War es vergeudet?
Danach beginnen viele Sätze womöglich mit „Ja, aber…“ und bisherige Wertvorstellungen werden mit allen erdenklichen Überlegungen zu rechtfertigen versucht.

Ist es so, dann hat Ego gewonnen und Meditationsübungen sind nur noch geeignet, Verunsicherungen und lästige Zweifel zu erzeugen.

Jeder weiß, dass Ego ein hochempfindlicher und leicht kränkbarer Herrscher ist, der alles weg beißt, was seine Macht gefährden könnte. Nichts ist für das Ego schlimmer, als ein angezweifeltes Selbstbild.

Meditation: Zeuge göttlicher Kreativität sein

Schon so oft hat mein Verstand gefragt, wer oder was diese Welt erschaffen hat. Wer oder was besitzt die Intelligenz, das Wunder des Lebens in seinen unbeschreiblich reichhaltigen und schönen Formen zu gestalten? Wie von Zauberhand entstehen neue Formen, passen sich an ihre Umgebung an und schaffen ein Gleichgewicht miteinander.
Die Intelligenz menschlicher Gehirne wäre aufs Äußerste gefordert, nur annähernd ebenbürdige Techniken und Kniffe nur zu ersinnen, wie es die göttliche Intelligenz versteht, Lebensformen in solcher Vollkommenheit, Vielfältigkeit,  Schönheit und Anpassungsfähigkeit zu erschaffen.

Meditative Techniken, von denen es so viele geben mag, wie es Menschen auf der Erde gibt, sind eine Hilfe, um die eigene innere Welt zu erkunden, in der sich die Kreativität Gottes spiegelt. Die Erfahrung von Meditation, kann ein Zugang zum Verständnis göttlicher Intelligenz und Kreativität sein.

Meditation ist die Neugierde eines Kindes

Das Eintauchen in Meditation bedeutet nichts Anderes, als sich all seiner inneren gedanklichen und äußeren körperlichen Bewegungen bewusst zu sein und auf eine Ebene der Stille zu sinken, die von allen inneren und äußeren Bewegungen unberührt bleibt. Auf dieser Ebene der Stille ist letztendliches Gewahrsein ohne jede Beurteilung, ohne Vergleich, ohne Etikett.
Es ist ein offenes, empfängliches und kindlich neugieriges Aufhorchen für alles das, was geschieht.

Bewusstheit oder Klarheit, die in Meditation erwacht, ist vollkommen zwanglos. Sie kennt keinerlei Dogmen, keinerlei erlernte moralische Verpflichtungen,  Richtlinien oder Vorlieben.
Bewusstheit oder Klarheit, die in Meditation erwacht, erkennt Gedanken und Emotionen als flüchtige Schleier, die vergänglich sind wie alles Grob- oder Feinstoffliche.

Sind die Schleier durchdrungen, erhält Sehen eine neue Qualität.
Dieses neue Sehen lässt eine ganz neue Art Gedanken erkennen, die sich von verstandesgebundenen Gedanken grundlegendst unterscheiden. Ganz sicher kann man es als Sehen und Denken mit dem Herzen umschreiben. Das ist eine oft gebrauchte Umschreibung und sie trifft dafür sehr gut zu.

Verstand würde fragen: „Worüber freust du dich?“

Die Merkmale dieses Sehens und Denkens sind, dass weder Wunsch, Kritik oder Vergleich eine Seite bilden, der eine veränderungswürdige Seite der Realität  gegenübersteht. Vielmehr ist dieses Sehen und Denken als tiefe Freude zu empfinden, für die es keinerlei Gründe bedarf. Die andere Seite für den Vergleich gibt es nicht.

Diese Freude benutzt keine Objekte, auf die sie sich bezieht.

Meditative Freude ist Hingabe und Dankbarkeit

Sehen und Denken ohne die Schleier vergleichender und bewertender Gedanken, ist reinste Dankbarkeit. Ein Objekt als Bezug – in welcher Form auch immer – existiert nicht.

Sehen und Denken ohne Schleier, ist reine Hingabe an das „Göttliche Sein“, das nach vorne strebt ohne zurück zu schauen.
„Göttliches Sein“ kennt keine Gegensätze. Es kennt nur Variationen seiner Selbst in freudvoller, verspielter Bewegung und Veränderung.
Einziges Ziel göttlichen Seins ist Erfüllung durch Freude, die sich durch sich selbst bestärkt. Was von dieser Freude berührt wird, gerät selbst in Bewegung, wandelt sich und wird selbst zu Freude, die sich wiederum durch sich selbst bestärkt.

Die Schöpfung ist Lebensfreude, die sich in unzähligen Erscheinungen immer wieder neue Formen gibt…..

Meditation ist Selbsterinnerung

Meditation durchdringt die Ebenen, auf denen Gewohnheiten, Prägungen und Ängste menschlichen Lebensalltag bestimmen.

Sehr verwirrend erscheint es, dass das eigene Selbstbild, das aus Erinnerungen, Erfahrungen und Überzeugungen besteht und sich Ego nennt, an diesen Gewohnheiten, Prägungen und Ängsten festhält.
Es ist vor allem deshalb verwirrend, weil es das selbst dann tut, wenn Auflösung von Gewohnheiten, Prägungen und Ängsten individuelles Leid und Leid anderer Wesen vermeiden würden.

Sehr wohl liegt es daran, dass das Konstrukt Ego zu nichts Anderem als zum Sammeln und Festhalten in der Lage ist. Das ist seine Natur.
In der Konsequenz erschafft Ego im Prozess des Loslassens Angst. Es erschafft sogar Angst davor, Angst loszulassen.

Es kann daher nicht wundern, dass Ego den Menschen zum Sammeln und Anhäufen von geistigen und materiellen Formen drängt. Ein Gefühl für Sättigung oder Zufriedenheit kennt es nicht.
Auch das sollte nicht wundern, denn eine Subfunktion des Ego ist Mangelbewusstsein, das niemals Ruhe gibt.

Bin ich mit meinem Ego identifiziert, identifiziere ich mich mit meinen Gewohnheiten, Prägungen und Ängsten und das darunter aktive Mangelbewusstsein treibt mich zum nie endenden Sammeln und Anhäufen, ohne mich jemals Befriedigung und Erfüllung erleben zu lassen.

Meditation durchdringt diese Ebene der Identifikation mit einem Selbstbild, das lediglich aus Erinnerung besteht und nichts Anderes als eine Gedankenform ist.

Selbsterinnerung ist die Erinnerung an den inneren Beobachter, der nicht mit einem Bild, einem Ideal, einer Meinung, einem Urteil oder einer Wertung identifiziert ist. Er ist reine Wahrnehmung. Er ist wie das Auge des Orkans, in dem unbeeinflusst Stille herrscht, während um ihn herum die Kräfte toben.

Liebe ist Gegenwärtigkeit

Gegenwärtigkeit ist Liebe.
Liebe ist die Bereitschaft, die Erfahrung von Gegenwärtigkeit zuzulassen.
Gegenwärtigkeit ist die Anerkenntnis dessen was ist ohne mit Vergleich und Urteil identifiziert zu sein.
Meditation ist die Erfahrung von Gegenwärtigkeit.
Meditation ist die Erfahrung von Liebe .

Meditation für die Nacht

Eine Meditationstechnik, die ich lieben gelernt habe, übe ich vor dem Einschlafen.

Oft gesellen sich verschiedenste Gedanken zu der Zeit vor dem Einschlafen. Beschäftige ich mich mit ihnen, indem ich sie verfolge, lade ich sie ein und sie werden für eine lange Weile nicht mehr gehen.
Betrachte ich sie als Wolken, deren auftauchen ich lediglich zur Kenntnis nehme ohne mich mit ihren Inhalten zu befassen, ziehen sie weiter.
Natürlich werden weitere Gedanken auftauchen, die ich ebenso zur Kenntnis nehme und weiterziehen lasse. Mit der Zeit können sie recht absurd und konfus werden und im weiteren Verlauf können sie sich zu Gedankenfetzen zerstreuen.

Gedanken sind Energiefelder, mit denen ich mich identifiziere, sobald ich mich mit ihnen befasse. Dann ist das Denken wach.  Gedanken sind nicht meine Realität. Meine Realität ist die Kenntnisnahme ihres Auftauchens. Es ist Bewusstheit, in der eine große Stille liegt, in die ich immer tiefer sinken kann.

Wenn es mir gelingt, weiter Beobachter zu bleiben, kann ich den Moment abpassen, in dem mein Körper beginnt, erste Vorbereitungen zu treffen, um vom Wachsein zum Schlaf überzugehen.

Bewusstheit ist eine Form intensiver Wachheit, in der ich nicht mit Geschäftigkeiten identifiziert bin.

Meditation verändert den Blick (1)

An manchen Tagen fällt es mir schwer meditativ zu sein. Dann gibt es Gedanken und Ängste, die sich meiner inneren Welt aufdrängen. Dann erschaffen sie einen Filter der Wahrnehmung, der in der Hauptsache die Dinge und Ereignisse meiner äußeren Welt erkennbar werden lässt, die meinen Gedanken und Ängsten entsprechen und ich verfalle in Abwehrhaltung und beschäftige mich mit Sorgen.

Es ist eine der fundamentalsten Wirkungsweisen von Meditation, sich dieses Prozesses bewusst zu werden. Ebenso fundamental, wie Bewusstwerdung, ist die Entscheidung, nicht gegen den Prozess anzukämpfen, der Gedanken in den Vordergrund schiebt, Ängste erschafft und an Sorgen modelliert. Bewusstwerdung ist die Erkenntnis, dass Gedanken, Ängste und Sorgen energetische Strömungen sind, die durch mich hindurchziehen.

Mein Selbstverständnis, mein Selbstbild, meine Geschichte, womit „Ich“ sich identifiziert, braucht Sorgen, Gedanken und Ängste wie mein Körper die Luft zum Atmen.

Ohne Sorgen, Gedanken und Ängste fehlte meinem „Ich“ die überzeugte Vorstellung seiner Trennung vom Ganzen. Ohne die überzeugte Vorstellung des Getrenntseins hätte „Ich“ keine Identität. Es ist das Feindbild des Todes.

Die menschliche Sprache in Wort und durch den Ausdruck ihrer Körper und durch ihr Handeln, kommuniziert mit Gedanken, Sorgen und Ängsten.

Begebe ich mich in die freie Natur, in die Gesellschaft von Tieren und Pflanzen, beobachte ich den Nachhall der Gedanken, die sich schnell beruhigen. Die Natur ist ein Zen-Meister. Vögel sind Zen-Meister. Eine Blüte ist ein Meer aus Stille ohne Gedanken, Sorgen oder Ängste.

In dieser Betrachtung wird mir sehr schnell klar, dass Gedanken, Sorgen und Änsgte vergängliche Ströme sind, die erst durch meine Identifikation mit ihnen lebendig werden und lebendig bleiben können.

Meditation verändert den Blick und lehrt mich, meinen Blick von der zwanghaften Fixierung des „Ich“ auf Gedanken, Sorgen und Ängste abzuwenden und stattdessen mit aller Aufmerksamkeit der Stille in mir selbst zu lauschen.

Meditation löscht die Angst

Meditation geht in die Tiefe, unterhalb dessen, was das Auge sieht und das Ohr hört.  Sie geht tiefer als das, was der Verstand erklären kann.

In der Meditation ist der Zauber einer Blüte ein Ausdruck des Ursprungs. Sie verlässt die Oberfläche der Form und wird zu purem Zauber. Dann ist sie keine Blüte mehr und der Meditierende ist nicht mehr. Die Zeit steht still.

Wenn die Zeit still steht, sind Änsgte und Sorgen verschwunden, als hätte es sie nie gegeben, denn Ängste gibt es nur, weil es Zeit gibt….