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Das Herz denken lassen

Gedanken, die sich immer wieder aufdrängen und manchmal sogar bis in den Schlaf folgen, sind richtige Quälgeister!

Warum sollte man da nicht auch einmal das Herz als Entscheidungshilfe heranziehen?!

Durch die Beanspruchungen des Alltags bei der Arbeit und im Privatleben, ist man immerzu mit äußeren Dingen beschäftigt und verliert den Kontakt zu sich selbst. Der Kopf arbeitet auf Hochtouren, aber mit ihm stellen sich auch Zweifel ein und man kommt oft zu keinem befriedigendem Ergebnis.

Da ist es gut, wenn man zur Ruhe kommen kann und den Kontakt zu sich selbst wieder findet.

Eine kleine Übung:

Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen inneren Körper. Betrachte und fühle dich von innen und beobachte die Energien, die in dir kursieren. Man kann dabei sehr schön in sich selbst umherwandern – von oben nach unten und wieder zurück. Wichtig ist, an aufkommenden Gedanken nicht hängen zu bleiben. Sie haben jetzt keine Wichtigkeit.

Eine anfängliche, innere Unruhe, legt sich im Laufe der Betrachtung. Dann richte deine Aufmerksamkeit auf dein Herz! Spüre die Energien, die dort sind. Beobachte sie, ohne darüber zu urteilen.

Dann lasse einen Gedanken, der dich sehr beschäftigt, vom Kopf hinunter zu deinem Herzen sinken und warte einfach ab!

Möglicherweise wird es dich überraschen, was dein Herz dir antwortet. Sehr oft wird es dir raten, abzuwarten und zur Ruhe zu kommen, einfach erst einmal genau hier und nur jetzt zu sein. Wenn Tränen kommen wollen, dann lasse sie kommen. Sie werden dich leichter machen.

Das Herz wird in dir viel Vertrauen aufkommen lassen und du wirst es vielleicht genießen können, einen Schritt nach dem anderen zu tun und dabei viel Ruhe finden.

Abnabeln von der Angst

  • Wer Angst hat, sucht nach Halt.
  • Wer Angst hat, kann nicht loslassen.
  • Wer Angst hat, schaut weg.
  • Wer Angst hat, kann nicht lieben.
  • Wer Angst hat, leugnet die Realität.
  • Wer Angst hat, sucht Trost in Ablenkung.

Tatsächlich ist Angst so etwas wie eine Seuche, mit der Menschen schon von Kindheit an infiziert werden.

  • Angst vor dem Alleinsein
  • Angst vor Strafe
  • Angst vor Krankheit
  • Angst vor dem Tod

Die Auswirkungen von Angst werden von Kindheit an als selbstverständlicher Aspekt des Lebens akzeptiert. Es entsteht ein Automatismus, Angst zu ertragen und zu kompensieren und viele erlernen darüber hinaus Fertigkeiten darin, Angst auszulösen und sie als Werkzeug gegen andere zu benutzen.

Natürlich ist Angst ein Teil des Menschseins. Denn Angst ist Resultat des Denkens und Denken ist eben menschlich.

Denken beurteilt nach Für und Wider, es wägt ab und kalkuliert und immer hat eine angestrebte gute Lösung auch ein Gegenteil. Jeder Erfolg wirft den Schatten des möglichen Misserfolgs. Je wichtiger der Erfolg bewertet wird und je mehr daran festgehalten wird, desto stärker wird die Angst vor Misserfolg.

Das Leben, das Göttliche, das Sein geht seinen Weg und kümmert sich nicht um menschliche Gedanken. Sie hinken dem Leben hinterher ohne es jemals zu erreichen. Das Denken verpasst das Leben und seine Göttlichkeit.

In der Lücke zwischen Gedanken gibt es keine Angst und keinen Misserfolg. Im gedankenfreien Raum fließt das Leben mit allen seinen Möglichkeiten, ohne dass Tod jemals eine Rolle spielen würde. Tod existiert nicht einmal. Weder als Möglichkeit, noch als Realität.

Jiddu Krishnamurti, ein Auszug aus einem öffentlichen Vortrag

Jiddu Krishnamurti hielt zu Beginn der 1980er-Jahre in Saanen (Schweiz) eine Reihe von Vorträgen, die sich thematisch der Entwicklung des Bewusstseins und der Ergründung menschlichen Leids widmeten. Jiddu Krishnamurti ist einer von vielen Lehrern, die sich dieser Themen annahmen, aber er ist einer von sehr wenigen, die es in dieser bemerkenswert klaren Weise taten.

Bestechend sind Krishnamurti’s Eindringlichkeit und Präzision des Ausdrucks, die es selbst nach 30 Jahren noch vermögen, solche ausgiebig besprochenen Themen weiter zu vertiefen oder Grundlegendes erst einmal verstehen zu lassen.

Gerade in unserer aktuellen Zeit des sehr rasanten Wandels und Umbruchs, ist besonders dieser Vortrag ein eindringlicher Aufruf an die Menschheit, sich der gewohnten Denk- und Verhaltensmuster endgültig, absolut schonungslos und tiefgründigst bewusst zu werden.

Der nachfolgende Text ist die Mitschrift eines 75 Minuten langen Vortragsvideos.

Diesen Artikel als PDF-Datei herunterladen:  KrishnamurtiPublic3-1980.pdf

Die Menschheit folgt seit Jahrtausenden dem selben Muster

Wir haben festgestellt, dass der Mensch seit Jahrtausenden in dauerndem Kampf und Konflikt lebt. Dies nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit seiner Umwelt und mit seinem nahen oder entfernten Nachbarn. Diesem Vorbild folgen wir seit Jahrhunderten.

Wenn man das Geschehen in der Welt beobachtet, denkt man, dass es eine Antwort geben müsste, dass es einen Ausweg geben müsste, dass es eine weltumfassende Denkungsart geben müsste, wo wir nicht nur als Gruppe oder Individuen denken, sondern an der ganzen Menschheit interessiert sind. Die Menschheit, das sind Sie und ich. Wir unterscheiden uns nicht von der Menschheit in Indien, China, Russland oder sonst wo. Wir machen alle denselben Kampf durch, haben die gleichen Ängste, dieselben Konflikte, wir leiden alle unter demselben Elend.

Wir müssen versuchen, die Ursache zu entdecken. Und wir müssen herausfinden, nachdem wir die Ursache gefunden haben, ob der Geist dann fähig ist, diese Ursache aufzulösen und damit ein anderes Handeln bewirken.

Die Frage nach der eigenen Bindung an Vorstellungen

Wenn Sie dieses Problem ganz unpersönlich betrachten können, ohne einen Standpunkt einzunehmen, ohne an einen besonderen Glauben, an eine Person oder an ein Dogma gebunden zu sein, dann wird es vielleicht möglich sein, wirklich daran zu arbeiten.

Die Frage lautet: Wie kommt es, dass die Menschen, die schon so lange Zeit leben, das gleiche Verhaltensmuster immerzu fortsetzen? Vielleicht tun sie das in einer etwas anderen Form, vielleicht sind sie besser informiert, was sie befähigt, bestimmten Herausforderungen zu begegnen. Aber im Grunde ist der Mensch das, was er seit Jahrtausenden war.

Aber wir sagen, die eigentliche Ursache könnte darin liegen, dass jeder Mensch etwas zu werden versucht. Dies nicht nur in der materiellen Welt, sondern auch im psychologischen Bereich, wo er mit großer Anstrengung versucht, etwas zu sein oder etwas zu werden.

Sie können das bejahen oder verneinen, dass dies die eigentliche Ursache ist. Auf jeden Fall sollte man sich sehr ernsthaft damit auseinandersetzen. Nicht nur im Austausch von Meinungen und Ideen, die sich gegenüberstehen. Vielleicht kann man auch über das Wort an sich hinausgelangen und handeln.

Ideen und Ideale begründen unsere Verhaltensmuster

Versucht nicht ein Jeder von uns auf die eine oder andere Weise, anders zu sein, als er ist? Versucht man nicht etwas zu erreichen, etwas zu werden, etwas zu ändern?

Wenn man sich darüber einig ist, dass hierhin die Ursache für das große Elend in der Welt liegt, aus der so viel Verwirrung erwächst, dann kann man über das Problem nachdenken.

Unsere Beobachtungen zeigen uns, dass unsere Handlungen auf Ideen gründen. Ideen sind wichtiger, als die Handlung selber.

Ideen und Ideale sind der Hintergrund, von dem aus wir handeln. Ob diese Ideen nun persönlicher Art sind oder in Jahrhunderten entwickelt wurden, einschließlich jener Ideen, die von organisierten Religionen sanktioniert werden, immer leben und bewegen wir uns innerhalb von Ideen.

Ideen können Symbole sein, sie können Erinnerungen sein, Erfahrungen und Schlussfolgerungen. Ideen schaffen Werte. Es sind Werte, die befriedigend sind, die wünschenswert, gewinnbringend oder bedeutungsvoll sind.

Nachdem wir diese Werte, die auf Ideen gründen, geschaffen haben, handeln wir gemäß dieser Wertvorstellungen. Diese Werte werden durch das Denken hervorgebracht. Unser Handeln basiert also auf Wertvorstellungen. Diese Werte werden durch die andauernde Anpassung an die Umstände, an den Charakter, an die Bedürfnisse und an die sozialen Umweltbedingungen geschaffen. Unsere Handlungen gründen also auf Wertvorstellungen, die das Ergebnis des Denkens sind.

Wir engen und schränken unseren Geist ein

Es muss klar werden, dass ein Geist, der Wertvorstellungen hat, sehr eingeengt ist, denn diese Werte werden vom Denken, von Bedürfnissen, geschaffen. Deshalb ist Handeln immer eingeschränkt. Wenn man sich das genau anschaut, dann erkennt man, dass das ganze Leben Handlung ist. Sprechen, Gehen, Denken, wissensgemäß handeln, Verantwortung, Freundschaft, unser ganzes Dasein ist Handlung. Gleichgültig, ob die Handlung von Werten gelenkt wird oder aus Erfahrung oder aus den Sanktionen der Gesellschaft, der Kultur oder der Religion stammen. Das ist das Muster unserer Existenz.

Jeder Mensch schafft sich seine eigenen Werte, was für ihn wichtig ist, was unwichtig ist, was wertvoll ist und was nicht, was wohltuend und wünschenswert ist.

Gibt es rechtes, korrektes und freies Handeln?

Die Frage ist, gibt es eine Handlung, die nicht auf Wertvorstellungen beruht?

Unsere Handlungen gründen immer wieder auf alten Erinnerungen und Werten oder gegenwärtigen Werten oder zukünftigen Idealen. Es ist das, was sein sollte, das, was war und das, was ist.

So wird unser Tun zu einer andauernden, fortlaufenden Bewegung. Es ist eine Bewegung aus der Vergangenheit in die Gegenwart, die sich modifiziert und so in die Zukunft fortsetzt.

Unsere Handlungen gründen immer auf der Vergangenheit. Es gibt keine spontane Handlung. Jeder redet heute von mehr oder weniger spontaner Handlung. Aber diese spontane Handlung gibt es gar nicht. Im Wesentlichen gründet alles auf alten Erinnerungen, vergangenen Werten, die sich laufend verändern, aber im Wesentlichen in der Vergangenheit wurzeln. Deshalb gibt es keine spontane Handlung.

So fragt man, was ist rechte Handlung? Es ist Handlung, die nicht vergangenheits- oder wertbezogen ist, weil das die Handlung einschränkt. Die Vergangenheit und die Werte entspringen dem Denken, welches das Ergebnis des erlenten Wissens ist.

Es ist sehr wichtig, herauszufinden, ob es Freiheit im Handeln gibt.

Heutzutage meint man, man habe Freiheit zur Handlung, weil man tun kann, was man will. Das ist die vorherrschende Mode. Jeder tut, was er will ohne den Vater oder die Regierung im Rücken zu haben. Diese Freiheit führt mehr oder weniger zu diesem augenblicklichen Chaos, wo jeder genau das tut, was er mag. Deshalb muss man selber entdecken, was rechtes Tun ist.

Ein Tun, das nicht auf Konzepten beruht, nicht auf Idealen, nicht auf Wertvorstellungen beruht. Dies ist nicht etwas, mit dem man sich einmal beschäftigt und dann wieder vergisst. Es berührt das tägliche Leben und ist deshalb eine sehr ernste Angelegenheit.

Es ist eine sehr ernste Frage: Gibt es eine Handlungsweise, die nicht auf dem Marxismus, nicht auf dem Christentum oder auf irgendwelchen anderen menschlichen Wertvorstellungen gründet, die das Ergebnis des Denkens sind?

Handlung aus innerer Bindung an Ideale, Dogmen und Wertvorstellungen wird immer korrupt

Gibt es eine Handlungsweise, die unter allen Umständen richtig ist? Man muss also herausfinden, was richtig ist. Man kann antworten, was ein Anderer sagt, ist recht. Oder man kann einen bestimmten Glauben haben, demgemäß man handeln wird und das wird als recht angesehen. Oder man hat Erfahrungen, welche die Handlungsweise beeinflussen und deshalb als korrekt angesehen werden. Aber wir weisen daraufhin, dass solches Handeln auf Vorurteilen gründet.

Ein Vorurteil hat etwas mit Idealen gemeinsam. Vorurteile prägen das Denken. Egal, ob diese Vorurteile durch die Kultur entstanden sind oder durch die Religion angenommen wurden, solche Handlungsweise gründet im Wesentlichen auf Wertvorstellungen.

Man kann fragen: Gibt es eine Handlung, die auf nichts dergleichen gründet?

Solche Handlung wäre Freiheit.

Alles Andere wäre bedingt und abhängig. Daher wird alles Handeln entstellt und korrupt.

Natürlich ist mein Handeln dann das Produkt meines Glaubens und die eigene Handlung wird entsprechend eingeengt und korrupt sein.

Das Wort korrupt kommt vom lateinischen rompere und bedeutet brechen, zerstückeln, fragmentieren. Das ist die Grundbedeutung des Wortes korrupt.

Unser Handeln ist dann also immer korrupt und niemals ganz.

Um entdecken zu können, was rechtes Handeln ist, muss man wirklich frei von allen Wertvorstellungen sein.

Was ist rechtes oder korrektes Handeln? Das Wort korrekt bedeutet präzise, wirklich, tatsächlich, unverzerrt und daher gleichbleibend.

Rechte Handlung bedeutet eine Handlung, die gleichbleibend ist, unter keinen Umständen abweicht, genau ist und nicht auf irgendeiner romantischen oder sentimentalen Vorstellung gründet. Gibt es eine solche Handlung?

Handeln, das nicht auf einem Prinzip basiert, nicht auf einem Ideal beruht und auch nicht das Ergebnis persönlicher oder anerzogener Werte ist. Sonst ist es korruptes Handeln.

Ein Geist, der an eine Idee gebunden ist, an ein Konzept, an eine Wertvorstellung oder an eine Person, macht Handlung immer korrupt.

Wenn man an eine Person gebunden ist, wird diese Bindung die eigene Handlungsweise ganz offensichtlich bestimmen. Wenn man an einen Glauben gebunden ist, wird die eigene Handlungsweise glaubensgemäß und daher korrupt sein. Wenn man nach seinem eigenen Erfahrungswissen handelt, wird die Begrenztheit des Wissens die Handlung immer korrupt sein lassen.

Beobachtung anstatt Analyse

Und jetzt fragen wir, gibt es eine Handlung, die nicht korrumpiert werden kann? Wir sagen, ja, die gibt es!

Diese Handlung tritt ins Dasein, wenn man die Konsequenzen seiner Wertvorstellungen beobachtet und nicht analysiert, wenn man beobachtet, wie diese Wertvorstellungen entstehen. Man kann beobachten, dass Handlungen unvermeidlich zerstörerisch und korrupt werden, wenn sie aus der Bindung an eine Person, an ein Konzept oder an eine Idee entspringen.

Durch Beobachtung und nicht durch Analyse, können diese Bindungen aufhören.

Inneres Gebundensein erzeugt Konflikt

Angenommen, man ist an ein Symbol gebunden. Es kann ein übernommenes sein oder ein eigenes , das man sich aus mythologischem Wissen geschaffen hat. Solch ein Symbol wird durch das Denken erschaffen. Man ist dann an ein solches Symbol gebunden und handelt demgemäß.

Das Ergebnis ist ein Konflikt – nicht nur im Verhältnis zum Symbol oder zum Glauben -, sondern auch im Verhältnis zu meinem täglichen Handeln. Man beobachtet es, man erkennt es als eine Tatsache.

Können wir die Tatsache erkennen, dass, solange man an irgendetwas gebunden ist, an eine Person, an einen Glauben, an ein Konzept, an eine Idee, an das eigene Wissen und die eigene Erfahrung, dann das Ergebnis solcher Handlungsweise unumstößlich Konflikt nach sich ziehen wird?

Beispielhaft anders ausgedrückt: Angenommen, jemand ist Jude. Er hält an dieser Vorstellung fest. Angenommen, ein anderer ist Araber oder Mohammedaner. Dann haben diese Beiden Krieg. Das ist ziemlich einfach zu beobachten.

Wenn  man aber tiefer geht und ins Innere geht und sich aus verschiedenen Gründen an eine Person anklammert, dann bringt gerade diese Bindung viel Konflikt, Angst und Hass mit sich. Kann ich diese Tatsache beobachten, ohne sie zu analysieren?

Beobachtung ist Enthüllung dessen, was vor sich geht

Es soll gleich erläutert werden, was unter Beobachtung zu verstehen ist. Ist es möglich, sich zu beobachten, ohne dass es da irgendeine Verzerrung gibt? Kann man beobachten, ohne verändern zu wollen, was man sieht und ohne den Versuch zu unternehmen, das Gesehene wegrationalisieren zu wollen oder es überwinden oder unterdrücken zu wollen? Kann man, wie in einem Spiegel, nur das beobachten, was man wirklich sieht? Ist man in der Lage, seine Reaktion, die beispielsweise aggressiv sein kann, beobachten? Kann man seine Aggressivität und deren Ursachen beobachten, ohne zu analysieren? Kann man das ohne Rechtfertigung, Entschuldigung oder Verleugnung beobachten? Es dürfte recht schwierig sein, denn wir sind zur Analyse erzogen worden. Wir erwarten, durch die Analyse die Ursache zu entdecken und zu überwinden. Man muss aber sagen, dass der analytische Prozess den Geist nicht von der Ursache befreien wird. Wenn man nur beobachtet, ohne emotionale Reaktion, wenn man es also genauso sieht, wie es ist, dann lässt man die Tatsachen sprechen und nicht umgekehrt. Wir beschäftigen uns immer damit, was man mit der Tatsache tun sollte. Man beschäftigt sich damit, wie es sein sollte, wie es nicht sein sollte, und dass man sich näher damit befassen sollte. Wir gestatten den Tatsachen niemals, sich selber zu enthüllen.

Beobachtung ist die Enthüllung dessen, was vor sich geht.

Die meisten Menschen sind an eine Person gebunden. Sie sind an den Partner gebunden, an die Kinder, an den Priester oder den Guru, an ein Meditationssystem oder irgendetwas dergleichen. Ist man fähig, diese Bindung zu beobachten? Wenn man die Bindung beobachtet, kommt sofort die Reaktion, die fragt, was denn schlecht an der Bindung ist. Die Konsequenzen der Bindung sind Angst und damit Hass und Eifersucht und damit Mangel an Liebe.

Beobachter und Beobachtetes sind identisch

Wenn man sorgfältig beobachtet, ohne zu entstellen, was man sieht, dann ist diese Beobachtung der Akt der Intelligenz.

Man kommt dabei an einen Punkt, der sehr wichtig ist:  Es gibt ein Handeln, das unter allen Umständen korrekt ist. Wenn man die Tatsache des wirklichen Geschehens ohne jegliche Verzerrung beobachtet, sollte man sich folgende Frage stellen: Ist die Tatsache dessen, was tatsächlich als Bindung geschieht und die Konsequenzen dieser Bindung denn so, dass das Beobachtete etwas Anderes ist, als der Beobachter? Wenn man zornig ist, dann gibt es in dem Moment des Zorns keinen Unterschied zwischen dem Beobachteten und dem Beobachter. Erst eine Sekunde später kommt es zur Spaltung. Es kommt der Gedanke, wütend gewesen zu sein. Man erkennt das Gefühl des Zorns, weil man es früher schon hatte. So entsteht die Spaltung in dem Moment, in dem sich der Beobachter von dem trennt, was er beobachtet. Wenn man das erkennen kann, wird man allen Konflikt ausschließen können, denn der Konflikt besteht zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten.

Unterscheidet sich eine Bindung an eine Person von mir selbst? Oder bin ich selbst die Bindung?

Tatsächlich findet man schnell Ausflüchte, weil man sich dieser Tatsache nicht gerne stellen möchte. Denn wo es Bindung gibt, egal ob an ein Problem, ein Ideal, eine Idee, eine Organisation, eine Person, ein Dogma oder ein Ritual, da muss es Korruption geben. Korruption bedeutet Angst und Angst zieht Hass, Konflikt, Eifersucht und Antagonismus nach sich. All das sind Ausdrucksformen von Korruption und nicht der Akt der Liebe. Dabei ist es ein Unterschied, ob man diese Tatsache wirklich und nicht analytisch erkennt. Wenn man es erkennt, ist dann der Erkennende etwas Anderes, als das, was er erkennt? Wo Spaltung ist, da muss Konflikt sein. Das ist ein Gesetz. Wo Teilung existiert, da ist Konflikt zwangsläufig.

Das Denkmuster der Trennung und Spaltung ist der entscheidende Punkt

Seit jeher leben wir mit dieser Norm, mit diesem Muster, dass der Denker sich vom Gedachten unterscheidet. Deshalb versucht der Denker andauernd, die Gedanken zu beherrschen. Aber der Denker ist das Gedachte! Wenn man also seine Bindungen beobachtet, sei es an eine Person oder an ein Möbelstück, dann stellt sich die Frage, ob die so gebundene Person etwas Anderes ist, als die Bindung selbst. Sobald es keine Spaltung und daher keinen Konflikt gibt, endet der ganze Vorgang des Verhaftetseins.

Es ist ultimativ wichtig, zu erkennen, an was man gebunden ist. Wenn da etwas ist, dann ist es wichtig, das zu beobachten. Wenn einem dieses Verhaftetsein gefällt und einem auch alle Konsequenzen des Verhaftetseins gefallen, dann ist das völlig in Ordnung. Niemand wird einen daran hindern. Wenn man aber erkennen will, ob es eine Handlung gibt, die nicht korrupt ist und die unter allen Umständen recht ist, dann muss man frei sein von allen Wertvorstellungen und von jeglicher Bindung. Wenn man das Verhaftetsein beobachtet, dann ist es Intelligenz, die den ganzen Vorgang beobachtet. Es ist nicht Analyse. Wo also Intelligenz ist, da gibt es auch rechtes Handeln. Intelligenz ist nicht Wissen und sie ist auch keine gespeicherte Information. Wo es Einsicht gibt in dieses Verhaftetsein, da ist diese Einsicht selbst die Intelligenz und aus dieser Intelligenz selbst entsteht richtiges Handeln.

Der Mensch lebt sein Millionen von Jahren mit der Korruption und all seine Handlungen sind seither korrupt, sie haben Chaos und Konflikte gebracht und seine Handlungen gründen alle auf Idealen, Konzepten und Wertvorstellungen, die alle das Produkt der Gedanken sind.

Einsicht ist der Augenblick des vollständigen Erfassens dessen, was ist

Es gibt keinen göttlichen oder absoluten Wert, obgleich die Priester das behaupten mögen. Wenn sie es sagen, so ist es die Aktivität ihres eigenen Denkens.

Es gibt ein Handeln, das vollkommen heil, unbestechlich und ganz ist. Dies gilt für das tägliche Leben. Diese besagte Intelligenz wird aus Einsicht geboren. Beispielsweise durch Einsicht in Bindung. Einsicht bedeutet, den Gesamtvorgang des Verhaftetseins sofort zu erfassen. Jeder wird irgendwann einmal eine Einsicht gehabt haben.

Einsicht ist keine Erinnerung, sie ist nicht der Vorgang der Bewertung oder der Schlussfolgerung, sondern sie ist vielmehr ein Augenblick des vollständigen Erfassens dessen, was Sie im Ganzen sehen. Das ist die Essenz und das Wesen der Intelligenz. Diese Intelligenz gehört weder Ihnen, noch gehört sie mir. Deshalb handelt diese Intelligenz immer korrekt.

Versuchen Sie, das zu erkennen. Egal, wo Sie sind, beobachten Sie sich, wie sie sich Ihrem Partner, Ihren Kindern, der Politik, der Religion gegenüber verhalten. Können Sie das Ganze ohne Analyse erfassen? Können Sie alle Konsequenzen und die Ursache dieser Bindungen erfassen? Genau das beinhaltet Freiheit von der Zeit.

Warum denken wir in zeitlichen Mustern?

Das Gehirn ist das Ergebnis von Zeit. Niemand wird das bestreiten. Es hat sich im Laufe von Jahrmillionen von der primitivsten zur höchstkomplexen Zelle entwickelt. Das hat Zeit gebraucht und das bedeutet Evolution.

Das Gehirn funktioniert innerhalb der Schablone von Zeit. Das Gehirn arbeitet nach diesem zeitlichen Vorbild: Gestern, Heute und Morgen. Die Sonnenaufgänge und die Sonnenuntergänge. „Ich werde sein, ich hoffe zu sein, ich will werden.“ Das ist die Bewegung der Zeit. „Ich freue mich, dich morgen zu sehen.“, das ist Zeit. Hoffnung zu haben, bedeutet Zeit. Das Gehirn arbeitet nach dem zeitlichen Vorbild, denn so ist es auch entstanden. Seit Millionen von Jahren leben wir nach diesem zeitlichen Vorbild. Es gibt nicht nur die physische Zeit – Gestern, Heute, Morgen -, sondern auch die innere, psychologische Zeit. Wir sprechen dabei von der inneren Zeit des Geistes und des Gehirns. Das Gehirn, das Teil des Geistigen ist, handelt und denkt in den Begriffen der Zeit und wir leben seit Millionen von Jahren nach diesem Vorbild und wir führen es weiter fort. Wir leben nach diesem Muster. Wenn die Zeit nicht endet, wird das Muster immer und immer wieder wiederholt werden.

Zur Verdeutlichung: Man benötigt Zeit, um etwas zu werden. Wenn  man ein guter Chemiker werden will, braucht man Zeit. Man braucht Zeit, um eine Sprache zu erlernen, man braucht Zeit, um ein guter Autofahrer zu werden. Man braucht Zeit, um Wissen und Fertigkeiten zu erwerben. Dasselbe Muster wird im Psychologischen angewandt. Man braucht Zeit, um selbstlos zu werden, man braucht Zeit, um gut zu werden.

Wenn man sagt: „Ich brauche Zeit, um selbstlos zu werden.“, dann ist gerade genau das die Essenz der Selbstbezogenheit. So arbeitet unser Gehirn immer im Zeitlichen und die Zeit ist seine Bewegung. Von hier nach dort, räumlich gesehen. Aber Zeit ist auch, etwas zu werden, psychologisch betrachtet und somit ist es auch eine Bewegung.

„Ich bin nicht gut, aber ich werde gut werden.“, das ist eine Bewegung von dem, was ist, zu dem, was sein sollte. Das Denken ist auch eine Bewegung. Zeit ist Denken. Nach diesem Muster leben wir seit jeher und dieses Muster hat den Menschen nicht gewandelt in all dieser Zeit.

Auch Denken ist eine Bewegung

Gibt es nun eine Möglichkeit, mit diesem Muster der Zeit zu brechen? Wir behaupten: Es gibt eine Möglichkeit.

Die Analyse ist Teil des Denkens und daher ein Vorgang in der Zeit. Sobald man Einsicht in das Wesen der Analyse erhält, ist es das Ende der Analyse. Einsicht gehört nicht der Zeit an.

Wenn ich Einsicht in mein Verlangen und meine Wünsche habe und in den ganzen Vorgang des Verlangens, dann kann das einerseits den Vorgang des Verlangens analysieren und untersuchen und dann zu einem Schluss kommen, oder aber, man kann den ganzen Vorgang des Verlangens beobachten. Dann ist gerade diese Beobachtung eine Einsicht und die gehört nicht der Zeit an.

Man kann es auch anders ausdrücken: Sie sind an das Eine oder an das Andere gebunden. Können Sie damit sofort Schluss machen? Wenn Sie es augenblicklich tun, ist dies das Ende der Zeit. Wenn Sie aber sagen, dass Sie sich damit befassen werden, dass Sie es analysieren werden und sehen wollen, ob es richtig oder falsch ist, dann wiederholen Sie das alte Muster.

Es ist von so großer Bedeutung, dass die Zeit aufhört, weil das die wahre Freiheit von dem ist, was gewesen ist.

Die Menschheit hat seit jeher gefragt, ob Zeit enden kann. Zeit muss enden.

Wir meinen, die Zeit endet durch irgendeine Meditation. Die Menschen haben viel darüber gesprochen. Vielleicht nicht so viel im Westen, aber sehr viel im Osten. Man sagt dort, die Zeit endet, wenn die Gedanken beherrscht werden, denn Denken ist ein zeitlicher Vorgang. Denken ist Zeit. Aber wir sagen, Zeit kann enden, wenn man unverzerrt beobachtet. Wenn man beobachtet, was tatsächlich vor sich geht, nämlich die momentanen Reaktionen min einem selbst, wie Reaktion auf Bindung, warum man gebunden ist und wenn man augenblicklich erkennt, was die Konsequenz der Bindung ist. Wenn man das alles sofort und im Ganzen erkennt, hört die Zeit auf.

Wenn man sagt, dass man es herausfinden will, ob man an etwas gebunden ist, dann wird man herausfinden, dass man gebunden ist. Und die Konsequenzen sehen: Angst, Hass, Besorgnis, Eifersucht und alle möglichen Formen von Konflikt.

Wenn Sie sagen, Sie haben sich daran gewöhnt und es macht Ihnen nichts aus, dann leben Sie eben in dauerndem Konflikt, was der gewöhnliche Mensch eben tut.

Wenn Sie diesen Konflikt beenden wollen, dann können Sie das nur sofort tun. Sie können das erreichen, indem Sie es ohne jegliche Verzerrung und Störung anschauen.

Meditation, Gedanke und Emotion

Meditation bedeutet nicht nur, den Gedankenfluss und Emotionen zu beruhigen, es bedeutet auch, einem Gedanken oder einer Emotion zu ihrem Ursprung zu folgen.

Gerade bei Emotionen tun wir uns manchmal schwer damit, sie zu verstehen, wenn wir sie bemerken.

Es ist sehr heilsam, dazu Meditation einzuladen!

Suche dir dazu einen bequemen Platz, an dem du ungestört bist und beginne, die Emotion oder den Gedanken zu beobachten.

Betrachte es einfach, ohne es zu bewerten oder zu verurteilen. Lasse ein Bild in dir entstehen, das zur Qualität der Emotion oder des Gedankens passt.

Frage dich, was dieses Bild dir zeigt.

Frage dich, wo du im Bezug auf das Bild stehst.

Frage dich, welche früheren Erfahrungen und Erlebnisse damit im Zusammenhang stehen.

Das Bild – oder die Bilder – und deine Fragen werden dich zum Ursprung der Emotion oder des Gedankens führen.

Dein Bewusstsein sinkt durch deine Schichten hinab an den Ort, wo Emotion oder Gedanke entstanden sind.

Meist wird es so sein, dass das Gedanken- und Gefühlsgebilde berührt wird, das dein „Ich“-Gefühl ausmacht und aufrecht erhält.

Dieses „Ich“ ist ungeheuer leicht verletzbar und sehr ängstlich.

Es ist immer auf der Suche nach Sicherheit und trägt eine sehr alte Sehnsucht in sich.

Diese Sehnsucht ist, geliebt zu werden, angenommen zu sein und keine Angst mehr haben zu müssen, diesen beschützten und liebevollen Zustand zu verlieren.

Gedanken sind Gäste

Gedanken sind Gäste.  Sie sind ständig unterwegs. Sie wandern vom einen zum anderen, werden von hier nach dort gezogen, je nachdem wo sie Resonanz vorfinden, da tauchen sie auf.

Nein, sie sind nicht unser Eigentum.
„Die Gedanken sind frei“ heißt es in einem alten Volkslied.
Gedanken sind ein Meer, das keinen Besitzer hat, ein Meer das frei ist und immer verfügbar ist.

Weil Gedanken nicht mein Eigentum sind, ist es auch töricht mich mit ihnen zu identifizieren.
Identifiziere ich mich mit ihnen, sammle ich sie und halte ich sie fest, dann werden sie zu meiner persönlichen Geschichte. Es ist wie ein Fotoalbum, eine Sammlung von Erinnerungen. Dann sind sie ein Schleier um mich herum, wie eine Staubschicht, unter der ich mich immer weniger erkennen kann. Erinnerung ist alt, abgetragen, nur noch ein Abglanz. Sie ist wie Kleidung, die mir nicht mehr passt.

Jenseits der Gedanken – in der Stille des einfachen Seins – kann ich Gedanken beobachten wie Vögel, die an mir vorübergleiten, wie Wolken am Himmel. Sie gehören zu dieser Existenz der unendlichen Vielfalt, die sich immerzu verändert und bewegt.
Gedanken sind körperlose Wesenheiten, aber sie trachten danach, sich zu verkörpern. Sie werden zu Dingen.
Materie entsteht durch Gedanken. Materie könnte man vielleicht als die Kristallisation von Gedanken bezeichnen.
Meist ohne es zu wissen, benutze ich diese Eigenschaft der Gedanken nach Verkörperung, um meine eigene Realität zu erschaffen.
Meine eigene Schwingung zieht gleichschwingende Gedanken an und sie verdichten sich zur Körperlichkeit.
Verändere ich meine Schwingung (Bewusstsein), ziehe ich andere Gedankenformen an. Durch Verändern meiner Schwingung habe ich nahezu unbeschränkte Möglichkeiten.

Es ist das Bild des paradiesischen Gartens, in dem alles in Fülle vorhanden ist.

Visionen und Gefühle verändern meine Schwingung und werden zu einem Schlüssel zu dem grenzenlosen Schatz meiner Möglichkeiten.

Ja, Gedanken sind Gäste und sie spiegeln mein eigenes Bewusstsein. Sie spiegeln den Zustand meines Bewusstseins.