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Alleinsein

Ich erinnere mich, dass der Begriff Alleinsein einen ähnlich negativen Beigeschmack wie der Begriff Einsamkeit erzeugt.
Ganz klar sind beide Begriffe in ihrer tiefsten Bedeutung völlig unterschiedlich.
Während Einsamkeit ein Gefühl der Abgetrenntheit und des Verlassenseins ausdrückt, ist Alleinsein eine Bezeichnung für die natürlichste Form des Daseins.
Mit ein wenig Wortspielerei kann man den Begriff zu All-Ein-Sein verändern.
Ja, alles ist eins, will der Begriff begreifen lassen.
Schließlich ist es nur ein Trick des Gehirns, der die Empfindung des Abgetrenntseins vom Ganzen erzeugt.

In tiefer Meditation sind alle Formen, ob niederschwingend materiell oder höherschwingend feinstofflich wie Gedanken, sich wandelnde und vergängliche Erscheinungen der Stille und Leere, die sich auf der Leinwand des Bewusstseins abbilden.

In der Tiefe des Herzens, wo unschuldiges Wissen vom Anbeginn aller Zeiten darauf wartet, erkannt und gelebt zu werden, existieren nur Verbundensein und Einheit.
Der Gegenspieler dieses Wissens ist die Illusion vom Abgetrenntsein, die das Gehirn sehr glaubhaft erzeugt.

Geh-Meditation mit Thich Nhat Hanh

Thich Nhat Hanh wurde 1926 in Zentral Vietnam geboren und trat im Alter von 16 Jahren als Novize in den Tu-Hieu Tempel in Hue ein. Schon als junger Mönch wurde er ein führender Vertreter des sozial engagierten Buddhismus in seinem vom Krieg erschütterten Heimatland und er setzte sich weltweit für Frieden und Gewaltfreiheit ein. Seit 1966 lebt er in Frankreich im Exil, wo er eine spirituelle Gemeinschaft in der Nähe von Bordeaux gründete, die unter dem Namen „Plum Village“ bekannt geworden ist.

Gehmeditation mit Thich Nhat Hanh:

Geh-Meditation ist eine Übung, während des Gehens meditativ zu sein. Du kannst friedvoll und glücklich sein, während du übst.
Gehe und stelle dir vor, du seist der glücklichste Mensch der Welt.
Wenn du das kannst, wird dir Geh-Meditation gelingen.
Für diese Meditation musst du kein bestimmtes Ziel vor Augen haben. Daher besteht kein Grund, dich zu beeilen. Das Gehen ist Selbstzweck.
Es ist wichtig, dass jeder Schritt, den du tust, dich friedvoll und glücklich stimmt.
Jeder Schritt bringt dich dabei ins Jetzt, in den einzigen Moment, in dem du tatsächlich lebst.
Vermeide es, Sorgen und Ängste in deine Schritte zu geben, sondern gib ihnen Gelassenheit, Glück und Frieden mit.
Es wird dir möglich sein, das zu tun. Triff Vorsorge, dass du es wirklich willst.
Wenn Schritte nicht von Glück und Frieden getragen sind, würdest du mit erwachten Augen die Sorgen, die Angst und Beklemmung dessen sehen können, der seine Spuren hinterließ.

Lerne es, Schritte zu tun, in denen statt Spuren von Furcht oder Beklemmung, nur Frieden und Freude enthalten sind.

Meditation, Gedanke und Emotion

Meditation bedeutet nicht nur, den Gedankenfluss und Emotionen zu beruhigen, es bedeutet auch, einem Gedanken oder einer Emotion zu ihrem Ursprung zu folgen.

Gerade bei Emotionen tun wir uns manchmal schwer damit, sie zu verstehen, wenn wir sie bemerken.

Es ist sehr heilsam, dazu Meditation einzuladen!

Suche dir dazu einen bequemen Platz, an dem du ungestört bist und beginne, die Emotion oder den Gedanken zu beobachten.

Betrachte es einfach, ohne es zu bewerten oder zu verurteilen. Lasse ein Bild in dir entstehen, das zur Qualität der Emotion oder des Gedankens passt.

Frage dich, was dieses Bild dir zeigt.

Frage dich, wo du im Bezug auf das Bild stehst.

Frage dich, welche früheren Erfahrungen und Erlebnisse damit im Zusammenhang stehen.

Das Bild – oder die Bilder – und deine Fragen werden dich zum Ursprung der Emotion oder des Gedankens führen.

Dein Bewusstsein sinkt durch deine Schichten hinab an den Ort, wo Emotion oder Gedanke entstanden sind.

Meist wird es so sein, dass das Gedanken- und Gefühlsgebilde berührt wird, das dein „Ich“-Gefühl ausmacht und aufrecht erhält.

Dieses „Ich“ ist ungeheuer leicht verletzbar und sehr ängstlich.

Es ist immer auf der Suche nach Sicherheit und trägt eine sehr alte Sehnsucht in sich.

Diese Sehnsucht ist, geliebt zu werden, angenommen zu sein und keine Angst mehr haben zu müssen, diesen beschützten und liebevollen Zustand zu verlieren.

Gott ist in der Lücke

Gott ist in der Lücke zwischen zwei Gedanken, zwischen zwei deiner Bewegungen, zwischen Ein- und Ausatmen, in der winzigen Lücke zwischen Wach-Sein und Schlaf.

Wenn du in diese Lücke hineinspringst, wird dir augenblicklich klar, dass du weder Gedanken, noch Körper bist. Dann bist du auf der Seite Gottes und alles wird unendlich weit und zeitlos. Dann bist du in Meditation.

Meditation: Die Ebenen durchdringen

Verstand bewegt sich auf der Horizontalen. Er kennt nur die Ebene der Erinnerung und der Schlussfolgerung.
Aus Erinnerung und Schlussfolgerung entstehen aus ihm Vergangenheit und Zukunft.

Meditation bewegt sich in der Vertikalen. Sie bewegt sich nicht auf der horizontalen Ebene der Zeit, recherchiert nicht in der Erinnerung, spekuliert nicht in die Zukunft. Sie bewegt sich im Ereignis des Momentes nach innen und durchdringt dabei alle Ebenen des Seins.

Während Verstand ein Sammler ist, der alles an sich nimmt und sich damit identifiziert, vertieft sich Meditation mit dem Ablegen von Identifikationen.
Sie ist ein nicht-identifizierter Beobachter.

Meditation beobachtet den Körper und seine Funktionen, sie beobachtet den Verstand und die Bewegung seiner Gedanken. Sie beobachtet die Emotionen und das Aufwallen und Abkühlen der Gefühle.

Es ist faszinierend, den Körper zu beobachten.
Er bewegt sich, handelt und reagiert, ohne dass du darüber nachdenken musst.
Die Handlungen selbst zu beobachten ist etwas, das leicht gelingt, es ist die rein materielle Ebene. Den Impuls aufzuspüren, der einer Handlung vorausgeht, ist Eindringen in eine tiefere, feinstofflichere Ebene.
Hier kommt zum Vorschein, was der Körper im Laufe der Zeit gelernt hat und von sich aus ausführt.

Auf dieser Ebene wird klar, wie wenig wir doch an unseren Entscheidungen und Handlungen bewusst beteiligt sind. Der Körper entscheidet für uns auf der Basis von Gelerntem.

Auf dieser Ebene beginnst du in Kontakt mit deinen Prägungen und Überzeugungen zu kommen. Hier spiegeln sich deine Erfahrungen, deine Wünsche und Ängste.

Wenn du diesen Schritt gehst, den Impuls des Handelns aufzuspüren, wirst du feststellen, dass du dabei immer klarer und entspannter wirst. Der Automatismus des Handelns wird unterbrochen. Stille und Klarheit breiten sich aus…..

Meditation und Motivation

Was treibt mich dazu, Meditation zu suchen?
Welche Motivation, welches Ziel steht dahinter?

Für uns ziel- und erfolgsorientierte Menschen scheint nur noch Weniges zum Selbstzweck genug zu sein.

So Vieles ist Zweck für etwas Anderes.
Einfach nur „da zu sein“ hat den Beigeschmack der Zeitverschwendung. Das ganze Leben wird zu einer Jagd nach Wünschen und Zielen, die erfüllt und erreicht werden müssen.
Im Laufe der Zeit verstrickt man sich in eine phantastische Welt aus Plänen und Träumen und vergisst sich selbst mehr und mehr. Das Leben verliert immer mehr an Realität.

Jede Form von Leid, ob Krankheit oder Unglück, ist ein Zeichen von Unbewusstheit.

In Unbewusstheit überhöre ich meine innere Stimme und übersehe die Zeichen, die mein Körper mir gibt.
In Unbewusstheit vertraue ich mir selbst nicht mehr, bin dadurch nicht mehr selbstverantwortlich. Stattdessen gebe ich Verantwortung an Andere ab: Ärzte, Politiker, Spezialisten.

Der erste Schritt ist Meditation zu suchen.

Dieser erste, zielorientierte Schritt ist der einzige, der in Zusammenhang mit Meditation sinnvoll ist.
Meditation bringt mich zurück in die Realität und lässt mich zumindest für kurze Momente Hast und Kampf vergessen.

Meditation ist, wie einen Tempel zu betreten.

Betrete ich einen Tempel, bin ich überwältigt von der Stille und Weite des Raumes. In ihm erschließt sich mir eine innere Welt, die draußen vom Lärm des Alltages überflutet wurde und nicht wahrgenommen wurde.
Je öfter ich diese innere Welt aufsuche, desto vertrauter wird sie mir und desto präsenter wird sie dann auch im Trubel des Alltages wahrnehmbar bleiben.

Meditationstechniken sind Übungen, den Geist wieder mit seinem Urzustand vertraut zu machen.

Stück für Stück werde ich zum Meister meiner Selbst.
Aber es gelingt nur, wenn Meisterschaft nicht zum Ziel wird.
Meditation ist Selbstzweck und je öfter ich sie erfahre, desto leichter werde ich in sie eintauchen und gewiss sein, dass es nichts zu erreichen gibt, denn alles ist jetzt.
Je öfter ich in Meditation eintauche, desto deutlicher und unmissverständlicher bin ich mit mir selbst in Kontakt. In mir schlummern alle Lösungen. In mir ist aller Frieden, alles Glück dieser Welt!

Liebe ist Meditation

Wohl jeder kennt das Gefühl des Verliebtseins, das die Welt in den eigenen Augen zu einem verzauberten Platz werden lässt und in dieser Sichtweise die Dinge plötzlich ganz anders erscheinen lässt.

Verliebtsein ist eine Überdosis Liebe, ein Vorschuss Glück und eine Vorschau auf geheiltes Sein.

Verliebtsein wirkt für eine gewisse Zeit wie eine Droge.

Ebenso kennt jeder sicher die Symptome abflauenden Verliebtseins, die sich durch den zurückkehrenden Verstand, mit Fragen, durch Ängste und Zweifel bemerkbar machen.

Nicht anders verhält es sich mit Meditation. In der Klarheit aufsteigender Bewusstheit gibt es keine Fragen, keine Ängste und Zweifel, weil der Verstand, das Denken, Pause hat.

Wenn ich die Chance des Verliebtseins nutze, indem ich die Funktionsweise des Verstandes erkennen lerne, kann dies der Beginn für bedingungslose Liebe sein. Weder in der Meditation, noch in der Liebe existieren Dualitäten. Beides ist durchflutet von Herzenergie. Tatsächlich gibt es zwischen Meditation und Liebe keinen Unterschied. Beides ist das Ankommen im Herzen, dem Innersten. Beides ist begleitet von Ekstase, Glück und Kraft, die keinen Grund benötigen, um in himmlische Höhe zu wachsen. Sowohl in Meditation, als auch in bedingungsloser Liebe, erkenne ich in mir selbst das Ganze, bin verbunden ohne Trennung, fühle mich selbst ganz, ohne in Fragmente zersplittert zu sein.

Sowohl Liebe, als auch Meditation, sind Innenschau. Einen anderen Menschen kann ich nur lieben, wenn ich Liebe in mir und zu mir selbst entdeckt habe. Meditativ kann ich nur sein, wenn ich Klarheit in mir finde – dann entfaltet sich das Ganze vor meinen Augen.