Herz und Verstand

Das Herz entscheidet sich immer für Totalität. Es macht keine halbe Sachen und dabei strebt es das intensivst mögliche Erleben an. So ist meine Erfahrung. Herz und Verstand existieren in einer ganz “unterschiedlichen Kultur”. Während der Verstand sich immerzu an Sinn, Zweck und Ergebnis orientiert, stürmt das Herz in die Richtung der lebendigsten, intensivsten und freudvollsten Erfahrung.
Erst hinterher stellt der Verstand fest, dass aus dieser Erfahrung Kraft, Sinn und Freude entstanden sind.

Die kopflose himmlische Liebe

Versucht man, sich die Reinform von Liebe vorzustellen, erinnert man sich vielleicht an Begebenheiten und Szenarien, bei denen sie im Spiel war. Sie selbst, in ihrer Reinform, hat kein eindeutiges Gesicht, keine Form und ist keiner bestimmten Persönlichkeitsstruktur zuzuordnen.
Insofern könnte die Liebe die Gattin Gottes sein, der ebenso im Unsichtbaren agiert und seine Kreationen lediglich als Spur seiner Existenz hinterlässt.

Was die Liebe angeht, so ist es erstaunlich, dass sie selbst denjenigen gewogen ist und diese unterstützt und pflegt, die menschlicher Beurteilung nach Schlechtes und Liebloses tun.

Ist sie von den Wesen auf dieser Erde so verschieden, dass sie sich für menschliches Empfinden so widersprüchlich verhält?

Ganz ohne Zweifel ist die Liebe sehr intelligent. Sie weiß, dass es nichts Böses gibt, sondern dass es nur Verirrungen sind, die geschehen können, wenn sie selbst – die Liebe – aus dem Blickfeld geraten ist.

Die Liebe weiß, dass sogenanntes Böses nur von ängstlichem Denken erdacht und von diesem Denken in eine Form gebracht und als wahr angenommen wird.
Insofern scheint düsteres Licht auf menschliches Denken, das offenbar alles das zu erzeugen imstande ist, was die Liebe nicht ist.

Es scheint, dass Denken anfällig dafür ist, das Gegenteil von Liebe zu erzeugen.
Als Gegenteil der Liebe bezeichnet man die Angst, die, ebenfalls wie die Liebe, selbst kein Gesicht besitzt. Sie zeigt sich in ihren Manifestationen wie der Gier, der Gleichgültigkeit, dem Misstrauen, der Trennung, der Ablehnung, der Anklage und der Verurteilung.

Weiter betrachtet, scheint menschliches Denken überhaupt erst die Voraussetzung für die Existenz und das Erkennen von unvereinbaren Gegensätzen zu sein, die sich im Augenblick der Liebe aber wieder zur Einheit vereinen, als seien sie nie getrennt gewesen.

Blendet Liebe das Unvereinbare und das Böse aus? Ist sie kopflos und naiv?
Oder ist sie die verborgene himmlische Wahrheit im Schatten der Dämonen menschlicher Gedanken?

Menschliches Denken kann nicht anders, als sich in Gegensätzen zu verlieren, denn es ist ein Werkzeug in der unvermeidlich gegensätzlichen Welt der Materie, die als eine Facette von vielen des Daseins im angstvollen Kampf mit der Vergänglichkeit und um Überleben verstrickt ist.

Was ist die Alchemie der Liebe, die es versteht, Gegensätze zu einem Ganzen zu vereinen?
Wo ist ihre himmlisch vereinte Welt, während sich die menschliche Welt in Gegensätzen und Trennungen verliert?

Die Buddhas der Menschheitsgeschichte hatten die Alchemie der Liebe verstanden und sie hatten erkannt, dass die menschliche Welt der Gegensätze lediglich der Schein einer vom Denken projizierten Betrachtungsweise ist, auf die sich Menschen in kollektivem Irrtum als Wahrheit verständigten.

Ist die Welt der Liebe die eigentliche Wahrheit, die hinter einer Maske der Täuschungen und Irrtümer verborgen ist? Sind Vergebung, bedingungsloses Annehmen, sorgsame Pflege, Geben ohne Erwartung, Mitgefühl, Verständnis, Ausgleich, die Erkenntnis des Einsseins, das Sein im Jetzt, das Nähren innerer und äußerer Schönheit – die in tiefstem inneren und äußeren Frieden Ausdruck finden – das eigentliche Muster der Wirklichkeit?

Ist die menschliche Welt des Kampfes, der Rache, der Missgunst, das Hadern mit Vergangenem und die Sorge um das Zukünftige ein über die Jahrtausende zu Stein gewordenes Trugbild?

Was hält den Denker davon ab, seine Betrachtungsweise zu verändern?
Es ist die Angst vor der Vergänglichkeit, vor Verlust und vor Niederlage, die den menschlichen Urvätern um des Überlebens einer fragilen Art Willen eingepflanzt wurde und die sich bis zum heutigen Tag unbeachtet über die Generationen im Denken erhalten hat.

Angst und Denken sind Teile, die sich gegenseitig suchen und voneinander abhängig sind. Beides sind sie Teile, denen das Festhalten gemein ist.
Ein Attribut der Liebe ist das Loslassen, das aber nur geschehen kann, wenn die angstbesetzten, unterbewussten Muster menschlichen Denkens die Oberhand verlieren.

“Das Universum fährt Rad…”

…oder: das Universum geht zu Fuß.
Oder: Das Universum wischt den Boden.
Oder: Das Universum atmet.

Es gäbe endlos viele, ähnliche Beispiele.

Zen-Meister haben solche Beispiele angeführt, aber ich hatte sie nie “verstanden”. Sie waren zu lapidar, zu wenig kompliziert, um eine verborgene Weisheit zu beinhalten.

Wenn sich im Alltag Gelegenheiten bieten, mit einem alltäglichen, vertrauten Tun Meditation einzuladen, kann es immer öfter passieren, dass der Körper mit all seinen Funktionen und Helfern die ganze Arbeit für mich übernimmt und ein unbeteiligter Beobachter zurückbleibt, der über die Leichtigkeit der Arbeit aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Wer “fährt da Rad”, wer “atmet”? Wer lässt die Blüten der Blumen sprießen, wer lässt das Herz schlagen, wer hält die Planeten auf seinen Bahnen?

Diese Instanz, nach der ich hier mit einem “wer” frage, ist überall vorhanden – vom Molekül, über Galaxien, bis hin zu komplexen biologischen Systemen.

Nein, “ich” bin es nicht, der “Rad fährt”. Auch bin “ich” nicht der, der das Herz schlagen lässt und “ich” bin nicht der, der atmet.

“ES” tut alles das und der unbeteiligte Beobachter ist “ES”, das sich bei seinem Tun selbst erfährt.

Eine meditative Erfahrung ist die Erfahrung von Göttlichkeit und sie ist das Gewöhnlichste und zugleich Machtvollste, was erfahren werden kann.

Liebe und Angst

Als körperliches Wesen bin ich an die Dualität gebunden: an das Für und Wider, an das Gut und Böse, an Tod und Geburt, Liebe und Angst….
Zwar kann ich der Gegensätzlichkeit der Dualität nicht entfliehen, aber ich kann mich entscheiden, in welche Richtung ich gehen will. Das ist meine Freiheit.  Ich habe die Freiheit der Wahl.

Vor vielen Jahren hatte ich mich der Herausforderung der Gegensätze gestellt, indem ich meine Geburt gewählt hatte.

Mit meiner Geburt in die Körperlichkeit brachte ich – so wie jedes Kind –  die Erinnerung an Körperlosigkeit und Einheit mit, in der es keine Dualität gibt.
Ich hatte es – so wie jedes Kind –  aus Liebe getan, weil es die einzige Form von Bewusstsein war, die ich jemals kannte. Es war mein freier Wille.

Während der Jahre nach meiner Geburt überschüttete mich das Leben mit Erfahrungen, die mich lehrten, was Gegensätze sind.
Aber auch mein neuer Körper erinnerte sich. Offenbar war er gar nicht ganz so neu. Er erinnerte sich an Vergänglichkeit und ließ mich spüren, was Zeit ist. Mein kleiner Körper war tatsächlich ein Archiv aus Erinnerungen Tausender körperlicher Wesen vor mir. Das war faszinierend!

Das Verhalten der Menschen, die schon länger hier waren, deckte sich sehr genau mit dem, an was sich mein neuer, kleiner Körper erinnerte: es war das Gefühl der Angst.

Als körperliches Wesen hatte ich die Angst kennen gelernt. Ich sah die Angst Tag für Tag in den Augen der Erwachsenen und ich erfuhr, wie viele Ausdrucksformen die Angst haben konnte. Sie ließ die Menschen neidisch, eifersüchtig, gierig, herschsüchtig, einsam, egoistisch, traurig und gewalttätig gegen sie selbst und andere sein.
Alle diese Ausdrucksformen fand ich mit der Zeit auch bei mir und ich dachte, dass man ihnen als körperliches Wesen niemals entfliehen könne.

Viele, viele Jahre später sagte mir jemand, dass ich Angst akzeptieren müsse. Sie sei ein untrennbarer Bestandteil menschlicher Existenz.
Die Liebe hätte mich hierher gebracht. Ich sei aus ihr gekommen, aus Einheit, Glückseligkeit, aus Überfluss ohne Mangel, ohne Leid.

Warum aber hätte sie mich hierher in ein Jammertal schicken wollen?

Dieser Jemand sagte mir dann auch, dass ich hier – wie jeder Mensch – eine Aufgabe habe.
Diese Aufgabe sei, mich wieder an mich selbst zu erinnern.
Zwar hätte ich in der Körper- und Zeitlosigkeit vor meiner Geburt in einem Raum existiert, den man allumfassende Liebe nennt, aber diese Liebe brauche – um wirklich bewusst und lebendig zu werden – jemanden, der sich für sie entscheidet!
Wenn man sich entscheiden soll, braucht man Möglichkeiten der Wahl.

Als körperliches Wesen habe ich die Angst als Gegenteil zur Liebe kennen gelernt und kann nun bewusst wählen.
Wähle ich die Liebe, werde ich mich an mich selbst erinnern und den Ausdrucksformen der Angst alle Macht nehmen.

Viele nennen dies ‘Erlösung’.
Manche nennen es ‘den Himmel auf die Erde bringen’.

Meditation verändert den Blick (2)

Viele, die häufig Meditationstechniken anwenden, werden feststellen, dass sich im Laufe der Zeit ihre eigenen Wertvorstellungen verändern.

Was ist mir wichtig? Was erscheint mir erstrebenswert? Was erscheint mir überflüssig?

Viele, die häufig Meditationstechniken anwenden, werden ebenso festgestellt haben, dass sich danach ihr Ego heftig gegen diese beginnenden Veränderungen zur Wehr setzt.

Wofür habe “ich” in meinem Leben bisher so viel Zeit und Energie investiert? War das alles falsch? War es vergeudet?
Danach beginnen viele Sätze womöglich mit “Ja, aber…” und bisherige Wertvorstellungen werden mit allen erdenklichen Überlegungen zu rechtfertigen versucht.

Ist es so, dann hat Ego gewonnen und Meditationsübungen sind nur noch geeignet, Verunsicherungen und lästige Zweifel zu erzeugen.

Jeder weiß, dass Ego ein hochempfindlicher und leicht kränkbarer Herrscher ist, der alles weg beißt, was seine Macht gefährden könnte. Nichts ist für das Ego schlimmer, als ein angezweifeltes Selbstbild.

Meditation: Zeuge göttlicher Kreativität sein

Schon so oft hat mein Verstand gefragt, wer oder was diese Welt erschaffen hat. Wer oder was besitzt die Intelligenz, das Wunder des Lebens in seinen unbeschreiblich reichhaltigen und schönen Formen zu gestalten? Wie von Zauberhand entstehen neue Formen, passen sich an ihre Umgebung an und schaffen ein Gleichgewicht miteinander.
Die Intelligenz menschlicher Gehirne wäre aufs Äußerste gefordert, nur annähernd ebenbürdige Techniken und Kniffe nur zu ersinnen, wie es die göttliche Intelligenz versteht, Lebensformen in solcher Vollkommenheit, Vielfältigkeit,  Schönheit und Anpassungsfähigkeit zu erschaffen.

Meditative Techniken, von denen es so viele geben mag, wie es Menschen auf der Erde gibt, sind eine Hilfe, um die eigene innere Welt zu erkunden, in der sich die Kreativität Gottes spiegelt. Die Erfahrung von Meditation, kann ein Zugang zum Verständnis göttlicher Intelligenz und Kreativität sein.

Meditation ist die Neugierde eines Kindes

Das Eintauchen in Meditation bedeutet nichts Anderes, als sich all seiner inneren gedanklichen und äußeren körperlichen Bewegungen bewusst zu sein und auf eine Ebene der Stille zu sinken, die von allen inneren und äußeren Bewegungen unberührt bleibt. Auf dieser Ebene der Stille ist letztendliches Gewahrsein ohne jede Beurteilung, ohne Vergleich, ohne Etikett.
Es ist ein offenes, empfängliches und kindlich neugieriges Aufhorchen für alles das, was geschieht.

Bewusstheit oder Klarheit, die in Meditation erwacht, ist vollkommen zwanglos. Sie kennt keinerlei Dogmen, keinerlei erlernte moralische Verpflichtungen,  Richtlinien oder Vorlieben.
Bewusstheit oder Klarheit, die in Meditation erwacht, erkennt Gedanken und Emotionen als flüchtige Schleier, die vergänglich sind wie alles Grob- oder Feinstoffliche.

Sind die Schleier durchdrungen, erhält Sehen eine neue Qualität.
Dieses neue Sehen lässt eine ganz neue Art Gedanken erkennen, die sich von verstandesgebundenen Gedanken grundlegendst unterscheiden. Ganz sicher kann man es als Sehen und Denken mit dem Herzen umschreiben. Das ist eine oft gebrauchte Umschreibung und sie trifft dafür sehr gut zu.

Verstand würde fragen: “Worüber freust du dich?”

Die Merkmale dieses Sehens und Denkens sind, dass weder Wunsch, Kritik oder Vergleich eine Seite bilden, der eine veränderungswürdige Seite der Realität  gegenübersteht. Vielmehr ist dieses Sehen und Denken als tiefe Freude zu empfinden, für die es keinerlei Gründe bedarf. Die andere Seite für den Vergleich gibt es nicht.

Diese Freude benutzt keine Objekte, auf die sie sich bezieht.

Meditative Freude ist Hingabe und Dankbarkeit

Sehen und Denken ohne die Schleier vergleichender und bewertender Gedanken, ist reinste Dankbarkeit. Ein Objekt als Bezug – in welcher Form auch immer – existiert nicht.

Sehen und Denken ohne Schleier, ist reine Hingabe an das “Göttliche Sein”, das nach vorne strebt ohne zurück zu schauen.
“Göttliches Sein” kennt keine Gegensätze. Es kennt nur Variationen seiner Selbst in freudvoller, verspielter Bewegung und Veränderung.
Einziges Ziel göttlichen Seins ist Erfüllung durch Freude, die sich durch sich selbst bestärkt. Was von dieser Freude berührt wird, gerät selbst in Bewegung, wandelt sich und wird selbst zu Freude, die sich wiederum durch sich selbst bestärkt.

Die Schöpfung ist Lebensfreude, die sich in unzähligen Erscheinungen immer wieder neue Formen gibt…..

Meditation ist Selbsterinnerung

Meditation durchdringt die Ebenen, auf denen Gewohnheiten, Prägungen und Ängste menschlichen Lebensalltag bestimmen.

Sehr verwirrend erscheint es, dass das eigene Selbstbild, das aus Erinnerungen, Erfahrungen und Überzeugungen besteht und sich Ego nennt, an diesen Gewohnheiten, Prägungen und Ängsten festhält.
Es ist vor allem deshalb verwirrend, weil es das selbst dann tut, wenn Auflösung von Gewohnheiten, Prägungen und Ängsten individuelles Leid und Leid anderer Wesen vermeiden würden.

Sehr wohl liegt es daran, dass das Konstrukt Ego zu nichts Anderem als zum Sammeln und Festhalten in der Lage ist. Das ist seine Natur.
In der Konsequenz erschafft Ego im Prozess des Loslassens Angst. Es erschafft sogar Angst davor, Angst loszulassen.

Es kann daher nicht wundern, dass Ego den Menschen zum Sammeln und Anhäufen von geistigen und materiellen Formen drängt. Ein Gefühl für Sättigung oder Zufriedenheit kennt es nicht.
Auch das sollte nicht wundern, denn eine Subfunktion des Ego ist Mangelbewusstsein, das niemals Ruhe gibt.

Bin ich mit meinem Ego identifiziert, identifiziere ich mich mit meinen Gewohnheiten, Prägungen und Ängsten und das darunter aktive Mangelbewusstsein treibt mich zum nie endenden Sammeln und Anhäufen, ohne mich jemals Befriedigung und Erfüllung erleben zu lassen.

Meditation durchdringt diese Ebene der Identifikation mit einem Selbstbild, das lediglich aus Erinnerung besteht und nichts Anderes als eine Gedankenform ist.

Selbsterinnerung ist die Erinnerung an den inneren Beobachter, der nicht mit einem Bild, einem Ideal, einer Meinung, einem Urteil oder einer Wertung identifiziert ist. Er ist reine Wahrnehmung. Er ist wie das Auge des Orkans, in dem unbeeinflusst Stille herrscht, während um ihn herum die Kräfte toben.